St. Petri in Thale

Beschreibung der Kirche

Die erste Spur eigener Gottesdienste für die Bewohner des Oberdorfes von Thale geht bis auf den 4. Mai 1756 zurück. An diesem Tage wurde der Antrag des Bergverwalters Herbig auf Abhaltung einer jährlichen Predigt für die Knappschaft des Eisenhüttenwerkes, die ab diesem Tage „Bergpredigt“ hieß, durch die Halberstädter Regierung genehmigt. Ab 1843 wurden die Predigtgottesdienste und Abendmahlsfeiern in der Privatkapelle des Hüttenbesitzers Bennighaus abgehalten, der in der Kapelle auch gleichzeitig das Erbbegräbnis seiner Familie anlegen ließ. 1864 ging der Hüttenbesitz zur Familie Soltmann über. Die Kapelle wurde dem öffentlichen Gebrauch entzogen . Sie ging dann als „Soltmannsche Kapelle“ in die Thalenser Kirchengeschichte ein. Heute ist die Kapelle katholisches Pfarrhaus. Die katholische Gemeinde von Thale, die um die Jahrhundertwende vorwiegend durch Zuzug schlesischer Bergarbeiter für das Eisenhüttenwerkentstand, kaufte 1913 die Kapelle. Bereits 1911 hatte sie sich die der St. Petri-Kirche gegenüberliegende Pfarrkirche „Herz Jesu“ erbaut.

Die evangelischen Gottesdienste wurden nach 1864 an verschiedenen Orten gehalten, so zum Beispiel in einem Hotel, in der Hüttenschule und schließlich sogar im Speisesaal des Hüttenwerkes. Durch den Aufschwung des Eisenhüttenwerkes um 1900 reichten die Kirchenbänke der Pfarrkirche St. Andreas im ehemaligen Unterdorf von Thale nicht mehr aus. Die Einwohnerzahl des Ortes stieg sprunghaft von etwa 4.000 auf 14.000 an. Dies machte den Bau einer zweiten evangelischen Kirche für Thale unumgänglich. Am 5. September 1897 wurde auf der Provinzialversammlung in Thale eigens zu diesem Zweck ein Kirchbaukomitee gegründet. Durch die bei fast jedem Bauvorhaben auftretenden Finanzierungsschwierigkeiten stagnierte der Baubeginn, bis sich 1902 die deutsche Kaiserin Auguste Victoria bereit erklärte, die Schutzherrschaft über den Kirchenneubau zu übernehmen. In den folgenden Jahren konnte das Bauvorhaben mit großen Schritten verwirklicht werden. 1904 wurde der Grundstein für die Kirche gelegt. Auf Erlass der Kaiserin sollte sie den Heiligen Petrus als Schutzpatron bekommen, um damit die enge Beziehung zu der dem Heiligen Andreas geweihten alten Dorfkirche zu symbolisieren.

1905 konnte das Richtfest gefeiert werden. 1906 fand die feierliche Einweihung der St. Petri-Kirche statt. Die Kaiserin stiftete der Kirche eine Altarbibel mit eigenhändiger Inschrift und Unterschrift: „Der evangelischen St. Petri-Kirche zu Thale zur Erinnerung an den 19. Juli 1906. Mt. 16, 18: Du bist Petrus, auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwinden.“ Die Ausstattung der Kirche gleicht in ihrer Schlichtheit den damaligen Verhältnissen in dem sich von einem Bauerndorf zur einer Arbeiterstadt entwickelnden Ort Thale.

Stiftungen und Geschenke an die St. Petri Kirche anlässlich ihrer Einweihung 1906:

  • Altar- und Kanzelbehänge: von „Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestät der Kaiserin
  • Taufstein: von „Seiner Kaiserlichen und Königlichen Majestät, dem Kronprinzen“
  • Altargeräte (Leuchter, Abendmahlsgeräte und ein silbernes Kruzifix): von der sächsischen Provinzialgenossenschaft der Johanniter
  • Orgel: von der damaligen Hüttendirektion unter Hüttendirektor Hubert Claus
  • Emporen: von der Gemeinde Thale

Ausstattungsstücke der Kirche:

  • Altarfenster: Fa. Ferdinand Müller, Kunstanstalt für Glasmalerei in Quedlinburg
    Links : „Der sinkende Petrus“
    Mitte : „Christi Auferstehung“
    Rechts : „Die Beauftragung des Petrus“
  • Kruzifix: Gefertigt von Bildhauer Goebel aus Magdeburg anlässlich der 50-Jahrfeier der Kirche 1956. Die Balken des Kreuzes symbolisieren Eisen-Doppel-T-Träger als Verbindung zum Eisenhüttenwerk, dazu gehören sechs schmiedeeiserne Leuchter für den Hauptaltar.
  • Brüstung der Orgelempore: Sie zeigt das alte Stadtwappen von Thale, aus Holz geschnitzt.
  • Turmuhr: 1906, gefertigt in Berlin von der Firma Ernst Rochlitz

Die Kirche

St. Petri in Thale
St. Petri in Thale

St. Petri-Kirche
06502 Thale

Diese Kirche gehört zum Kirchspiel Thale


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06502 Thale

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06502 Thale