Faschingsgottesdienst in Quedlinburg

25. Feb 2019

Beim Thema Fasching scheiden sich die Geister. Fasching und Kirche: Passt das überhaupt zusammen? „Ich sprach zum Lachen: Du bist närrisch!, und zur Freude: Was machst du?“, ist in Prediger 2,2 zu lesen, wo Salomo diesen Satz schreibt. Der Gottesdienst ist nicht irgendeine Gemeinschaftsfeier, sondern Fleisch und Blut des Gottessohnes werden auf dem Altar gegenwärtig. Dazu passen weder Helau noch Pappnase, sagt eine andere Gruppe.
Pfarrer Matthias Zentner begrüßt seine Gemeinde am Sonntag in der Nikolaikirche mit „Helau“ und „Hallo“, einen Piratenhut auf dem Kopf, eine Raupe auf dem Talar. Er mutmaßt, wie aus dem englischen Hello, mit dem man Menschen offen entgegentritt, sich im Sächsischen und später bei den rheinischen Frohnaturen eine Lautverschiebung zum Helau ergeben hat. So strecken alle ihre Hände gen Himmel, um die Nähe zu Gott zu schaffen.
Pfarrer Martin Gentz hat sich etwas „aufgepolstert“ und Organist Markus Kaufmann trägt einen spitzen Hut, während Kirchenmusikdirektorin Christine Bick einem französischen Comic entsprungen zu sein scheint. Rote Kugelnase, Zylinder und Sombrero, alles ist zu diesem Gottesdienst erlaubt.
„Wir sind in diesem Gottesdienst eingeladen zum Lachen, Nachdenken und Erleben, wie man etwas durch die Blume sagt, und dabei was über sich und das Leben erfährt“, sagt Martin Gentz. Es dreht sich nicht „Wider dem tierischen Ernst“, sondern um Tiere wie im Zirkus. Um das Beieinandersein im Garten Eden, die Schlange im Paradies, Kamele, um Noah und die Arche, um Flüsse - und um Irina und Christiane, die im Faschings-Gottesdienst getauft wurden. Der junge Kantor Markus Kaufmann spielt auf seinem Instrument Musik, die nicht allzu oft im Gottesdienst erklingt und doch von der Verbindung zu Gott berichtet; von Wegen und Bergen, einer goldenen Sonne und viel Freude.
Nicht auf die Kanzel, aber auch nicht in die Bütt, stieg Bruder Joachim mit Zylinder und der Blume, die er in alle Himmelsrichtungen schwenkt. Auch wenn er in Kölscher Mundart reimt, erkennt ihn die Gemeinde sofort. Der Pfarrer im Ruhestand Joachim Wolf hatte sich mit seinem Zylinder aufgemacht, nicht etwa, um verstaubte Bibelzitate aufzupolieren oder trockene Themen in Reimform zu kleiden. Fast neidisch konstatiert Pfarrer Martin Gentz, dass er selten erlebt, dass nach der Predigt so wie bei Wolf geklatscht werde.
Vielleicht liegt es daran, dass der Spaß, aber auch der gelebte Glauben an diesem Sonntag nicht zu kurz kommen. Kein Klamauk, kein Kasperle-Theater, sondern einfach mal eine andere Form des Gottesdienstes, der bei den rund 100 Gläubigen sehr gut ankommt. Schließlich haben Christen gute Gründe zu lachen. Denn alles im Leben braucht seine Zeit; das Weinen, aber eben auch das Lachen.

Uwe Kraus

Fotos: Uwe Kraus und Elmar Egner

Faschings-Bütten-Predigt

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