Gedanken zur Jahreslosung 2021

31. Dez 2020

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“

Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, zur Jahreslosung für das Jahr 2021 „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“:

Haben Sie auch ein großes Herz? Ja. Wir alle haben das. Von Natur aus. Nur haben wir uns das große Herz abtrainiert. Barmherzigkeit – ein wunderschönes altes deutsches Wort. Erbarmen mit Herz. Sich zu erbarmen ist körperlich und geschieht unmittelbar. Das kann auch schiefgehen – klar. Deshalb möchte ich mich manchmal dagegen schützen. Damit keiner mein weites Herz missbraucht.

Im Mittelalter bemühten sich die Reformatoren darum, die Barmherzigkeit auf stabile Füße zu stellen. Mit Sozialkassen und Almosenordnungen, mit dem Gemeinen Kassen. Damit verpflichteten sie die Gemeinschaft zur Armenfürsorge. Unser Verständnis vom Sozialstaat rührt auch daher. Er braucht Steuern.

Barmherzigkeit in Steuern zu verwandeln, reicht aber nicht. Eine Gefahr dabei ist, dass ich mir vom Leib halte, was mich sonst zutiefst berühren würde. Aus Angst davor, dass mir die Begegnung mit dem Heimatlosen oder mit dem Kranken zu nahe geht. Aus Angst davor, dass mich erschüttert, was in meinem Namen an den Grenzen Europas oder in den Sklavenfabriken Bangladeschs passiert. Aus Angst mache ich mein Herz hart.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“, sagt Jesus. Bleibt barmherzig gegenüber denen, die euch beleidigen und die in euren Augen Schuld haben. Sprecht freundlich übereinander, unterstellt einander Gutes, schützt und stützt einander. Das lässt euer Herz wachsen und auch das der anderen.

Gottes Segen im neuen Jahr, auf dass Sie Ihr großes Herz zeigen können. Mögen Sie ein offenes Herz finden, wann immer Sie es brauchen.

Wünscht Ihnen Friedrich Kramer


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