Wegmarken eines sehr reichen und vielfältigen Dienstlebens

Pfarrer als Beruf und Berufung: Martin Gentz wird verabschiedet

Ort

Quedlinburg, St. Nikolaikirche

Termine

So, 06.12.2020, 10:00 Uhr - 18:00 Uhr

Am Nikolaustag wird Pfarrer Martin Gentz, Quedlinburg, in den Ruhestand verabschiedet.
Einladung

Danke, Martin!
Meine erste Begegnung mit Martin Gentz war im November 1992 in der Baustelle des Pfarrhauses Konvent 20a. Ich hatte gerade meinen Dienst begonnen, aber die Dienstwohnung war noch nicht ganz fertig renoviert. Martin ging sachkundig durch das ganze Haus und gab der ABM-Baubrigade einige Hinweise, was noch zu ändern sei. Drei Wochen später zogen Martin und Sylvia Gentz mit ihren beiden Kindern und auch ich ein und unser gemeinsamer Dienst in der Nikolaigemeinde begann.
28 Jahre Pfarrdienst in Quedlinburg - da könnte man viele Zahlen auflisten: wie viele Taufen, Trauungen, Konfirmationen, Beerdigungen, Gottesdienste, Freizeiten ... Da käme sicherlich eine lange Liste zusammen. Schwieriger sind schon die vielen Besprechungen, seelsorgerlichen Gespräche, Vorbereitungszeiten, Besuche, Telefonate und Arbeitseinsätze zu zählen. Und was sich überhaupt nicht zählen lässt, ist das, was du, Martin, in den einzelnen Menschen bewirkt hast. Du hast zugehört, getröstet, dich eingesetzt, ermuntert, nachgefragt, angepackt, beigestanden, geholfen und warst verlässlich da. Dein Pfarrerdasein war Beruf und Berufung.
Du hast die Gemeinde durch schwere Zeiten geleitet und hast selbst auch Zeiten schwerer Krankheit erlebt. Gott hat dir die Kraft geschenkt. Wir danken dir für alles, was du hier in Quedlinburg und im Kirchenkreis bewirkt hast und danken Gott, dass er dich gestärkt und behütet hat.
Wir verabschieden dich als Pfarrer im aktiven Dienst, freuen uns aber auch, dass du weiter in Quedlinburg bleibst und vermutlich aktiver Pfarrer im Ruhestand wirst.
KMD Christine Bick


28 Jahre Pfarrer Martin Gentz in Quedlinburg
Der „Bescheid zur Festsetzung des Ruhegehalts“ ist eine nüchterne Angelegenheit. Es werden die Paragrafen der Rechtsgrundlage sowie die Daten des Dienstantritts und der Ruhestandsversetzung benannt. Für die Zeit dazwischen gibt es eine Tabelle mit wenigen Zeilen. In ihr stehen die Dienstorte mit den dazugehörigen Jahren. Im Falle von Pfarrer Martin Gentz stehen dort drei Orte, und hinter dem Dienstort Quedlinburg steht „von 16.12.92 bis 31.10.20“. Mehr nicht. Ein ganzes Pfarrerleben gefasst in lediglich drei Tabellenzeilen!
Am 6. Dezember verabschieden wir Ihren langjährigen Pfarrer in den Ruhestand. An diesem Tag wird sein Wirken ausgiebig gewürdigt. Aber alles Gesagte wird bestenfalls Blitzlichter werfen können auf Wegmarken eines sehr reichen und vielfältigen Dienstlebens.
Er selbst schreibt zu den Jahren des Beginns: „Die damaligen Veränderungen waren rasant. Kirchenkreise wurden aufgelöst, Pfarrbereiche verändert, der eigene Computer war das Gemeindebüro, phasenweise war ich für alle Pfarrbereiche in Quedlinburg zuständig.“ Dann erinnert er sich: „Eine starke Zäsur war der Brand 1996 in der Nikolaikirche. Die notwendige Sanierung hat viel Kraft gekostet.“ Nach Schwerpunkten gefragt, zählt er auf: Die Bildung von Kirchspiel und später Stadtgemeinde, die Gründung und Wiederbelebung von Stiftungen, der Bau des gemeinsamen Gemeindehauses, zuverlässig geöffnete Kirchen. „Ich habe ‚mittwochs immer‘ eingeführt, eine feste Gesprächszeit in der Nikolaikirche. Und in der Marktkirche die Mittagsgebete, die von Ehrenamtlichen gehalten werden.“ Besuche in den Häusern seiner Gemeinde gehörten zu seinem Berufsverständnis fest hinzu.
Neben seinem Dienst in Quedlinburg übernahm Martin Gentz Verantwortung auch auf Kirchenkreisebene: Über 12 Jahre hinweg war er stellvertretender Superintendent, 6 Jahre Mitglied im Kreiskirchenrat. Er begleitete die Entstehung von Regionen aktiv und war maßgeblich beteiligt als es darum ging, die Stelle einer Springerin für Vertretungsdienste im Kirchenkreis einzurichten.
Im Formular für Verabschiedungen heißt es vorsichtshalber: „Vieles steht uns lebendig vor Augen, manches liegt auch im Verborgenen“. Das dazugehörige Segensgebet ist dann offen für alles, was nicht in Worte und schon gar nicht in Tabellenzeilen gefasst werden kann.
Im Namen des Kirchenkreises Halberstadt sage ich für beides, das Sichtbare und das im Verborgen Geschehene, Pfarrer Martin Gentz Danke. Der Beruf des Pfarrers ist ihm immer Berufung gewesen. Und so sage ich auch Gott Danke, da er den Menschen Martin Gentz mit so vielen Gaben beschenkt und ihn nach Quedlinburg gerufen hat.
Superintendent Jürgen Schilling

Foto: Uwe Kraus





Kontakt

Evangelischer Kirchenkreis Halberstadt
Domplatz 50
38820 Halberstadt
Wegmarken eines sehr reichen und vielfältigen Dienstlebens