Abschied von Marianne Elisabeth Remoli

19.05.2018

Abschied von
Marianne Elisabeth Remoli
* 10.Juni 1929 † 11. Mai 2018
Pfarrerin i.R.
Gemeindepädagogin & Dozentin

Die Trauerfeier fand am 18.Mai 2018 um 10:00 Uhr in der Theobaldikirche
in Wernigerode statt.

Nachruf:

Als eine der ersten Gemeindepädagoginnen wurde sie 1982 in Magdeburg durch Bischof Dr. Krusche ordiniert. Aufgrund ihrer langen Tätigkeit als Gemeindehelferin, Katechetin und Dozentin schmunzelte nicht nur sie, als sie daraufhin nach 30 Jahren im Verkündigungsdienst auch ordentlich in die „Provinzialgemeindepädagogenstelle“ am Katechetischen Seminar in Wernigerode durch OKR Irmgard Dudey eingeführt werden konnte. Am 11. Mai 2018 ist Marianne Remoli in Wernigerode im Alter von fast 89 Jahren gestorben.

Geboren war sie in Halle; in Delitzsch und Bitterfeld ist sie zusammen mit drei Geschwistern aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife orientierte sie sich zunächst in sozialen Berufen, ehe sie sich am Burckhardthaus in Berlin-Dahlem zur Gemeindehelferin und Katechetin ausbilden ließ. Ihr Berufsweg führte sie zuerst nach Rostock. Bald kehrte sie aber in die Kirchenprovinz Sachsen zurück, wurde Katechetin in Wolfen und schließlich Kreiskatechetin im Kirchenkreis Bleicherode, ehe sie 1968 als Dozentin mit dem Hauptfach Methodik und Didaktik und schon kurze Zeit später als Rektorin an das Katechetische Seminar in Naumburg berufen wurde. Als 1972 das Naumburger mit dem Katechetischen Seminar in Wernigerode zusammengelegt wurde, ging sie als einzige ihrer Kolleginnen in den Harz und bildete nun nicht nur Katecheten aus, sondern widmete sich auch der pädagogischen Ausbildung von Vikaren. Da die Zahl von Bewerbern für eine Katechetenausbildung zurück gingen, entwickelte sie zusammen mit Rektor Arno Stockmann eine berufsbegleitende Ausbildung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Gemeinde, die beispielgebend im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR wurde. Zahlreiche Frauen und Männer haben bei ihr das methodische und didaktische Handwerk für den Verkündigungsdienst gelernt. Im Juni 1989 wurde sie in den Ruhestand verabschiedet. Jetzt widmete sie sich besonders Schwachen, Benachteiligten und an den Rand gedrängten Menschen. In einem Altenheim, in dem sie selber die letzten Wochen ihres Lebens verbringen musste, richtete sie einen Lesekreis ein, der sich mit anspruchsvoller Literatur befasste. Sie begründete die Ökumenische Wärmestube in der Stadt. Lange Zeit pflegte sie die Partnerschaft der Sylvestrigemeinde mit der Abrahams-Herberge in Beit Jala in Palästina.

Marianne Remoli war ein suchender Mensch. Manchen erschien sie unnahbar und distanziert, anderen zugewandt und seelsorgerlich. Sie suchte nach Worten und nach Sprache. Einfache Antworten waren ihr ein Gräuel. Sie folgte der biblischen Sprache, besonders den Psalmen. In ihnen suchte sie nach Gott und nahm andere bei dieser Suche mit. Gelegentlich fand sie für sich Antworten, die sie im Leben überprüfte. Der lebendige Gott ist mitten im Leben zu finden. Theoretische Floskeln und Formeln schreckten sie ab. Vordenkern dachte sie gern nach, ob bei Rose Ausländer oder Kurt Marti oder in indianischen Weisheiten. In einem kleinen Buch notierte sie sich Worte von Franz von Sales: „Die Zeit, Gott zu suchen, ist das Leben; die Zeit, Gott zu finden, ist der Tod; die Zeit, Gott zu besitzen, ist die Ewigkeit.“ Über ihren Dienst schrieb sie: „Dabei muss ich die stets sich ändernden und unterschiedlichen Situationen von Welt, Gesellschaft, Gemeinde und Mitarbeitern bedenken und die Zeugnisse der Bibel und deren vielfältige Auslegung für die Gegenwart als Gottes Zuspruch und Anspruch erfahrbar und erlebbar machen.“

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der früheren Kirchenprovinz Sachsen sind Marianne Remoli für ihren Verkündigungsdienst in Ausbildung und Gemeinde dankbar.

Peter Lehmann
Provinzialpfarrer i. R.


Wernigerode, den 18.05.2018



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