Wasser als Quelle des Lebens

10.06.2018

Nach der langen Trockenheit waren ausgerechnet für den Nachmittag des 10. Juni 2018 Gewitter und Starkregen angekündigt – und um 15 Uhr sollte der Freiluftgottesdienst im Hakel beginnen. Da gab es manche sorgenvollen Blicke zum Himmel, doch der hatte ein Einsehen, es fielen nur wenige Tropfen und knapp 100 Menschen hatten sich nicht abschrecken lassen, sondern kamen mit Schirmen, Kaffee und Kuchen um miteinander zu feiern.

Bläser/innen aus Nachterstedt und Umgebung und ein Jagdhornquartett aus Hausneindorf hatten die musikalische Umrahmung übernommen, unterstützt von etlichen Waldvögeln.

Pfarrerin Laser-Merker begrüßte die Gemeinde und führte durch den Nachmittag, Familie Holtz stellte die Träume des Propheten Ezechiel in einer Theaterszene dar.

Die Dialogpredigt hatten Superintendentin Angelika Zädow und Pastorin Ursula Meckel übernommen (siehe unten).

Es war sowohl ein nachdenkliches wie ein fröhliches Beisammensein – eine schöne Tradition in dieser herrlichen Umgebung einmal jährlich zu diesem besonderen Gottesdienst zusammenzukommen.

Ursula Meckel

Dialog - Predigt
A: Ist ja ganz schön komisches Zeug, was der Prophet Ezechiel da so zusammen träumt.
U: Wieso? Das ist doch ein wunderbarer Traum. Aus Gott entspringt die Quelle des Lebens. Wasser für die Natur und die Menschen. Bäume wachsen und bringen Früchte, Fische können im Wasser leben – ist doch toll.
(A zieht einen Schuh aus - U irritiert): Was machste denn da??????
A: Siehste den?
U: Ich bin ja nicht blind … Wirklich schön ist der allerdings nicht … und vor allem, was willste jetzt mit dem hier?
A: Vor einer Woche stand der im Wasser. Da ist der Domschatz Halberstadt abgesoffen. Und wir haben versucht, die Schatzstücke vor den Wassermassen in Sicherheit zu bringen. Anschließend sah der anders aus als vorher – total versifft, weiße und braune Schmutzränder.
U: Da müsst ihr halt mal putzen in dem Laden.
A: Hahaha, was ich sagen will: Wasser ist nicht immer nur toll. Es kann auch bedrohen und zerstören. Denk nur an die Fluten vor 5 Jahren in unserer Region. Da hatten sicher viele auch Träume, aber Alpträume! Wie viel ist da kaputt gegangen - und nicht nur ein Schuh, ganze Existenzen standen auf dem Spiel.
U: Ja sicher, ich weiß. Wasser hat - übrigens wie alles im Leben wie ich finde – auch eine beängstigende Seite. Aber dem Propheten geht es in seinem Traum ja um mehr als das Element Wasser. Ich denke, es ist eher wie ein Beispiel gemeint. Ein Beispiel, das von der Sehnsucht Ezechiels gespeist wird.
A: Au maaaaan. Das hört sich aber kompliziert an. Also Ezechiel hat Sehnsucht.
U: Ja, und zwar nach Jerusalem. Nach dem Tempel dort, der war nämlich sehr schön. Er selber, also der Prophet, war ja in Babylon.
A: Stimmt, Ezechiel war ja wie so viele dorthin in die Gefangenschaft verschleppt worden.
U: Und je länger die dauerte, desto größer wurde die Sehnsucht. Nach zu Hause, nach dem Tempel, nach den Gottesdiensten dort.
A: Da träumt er diesen Traum. Der Tempel ist dort. Aber mehr noch. Von dort strömt Wasser aus dem Heiligsten. Aus dem Bereich, der Gott allein vorbehalten war.
U: Genau. Ich finde das eine ganz wichtige Aussage. Den Tempel gab es ja so nicht mehr. Und dennoch träumt Ezechiel davon. Er träumt sozusagen die Zukunft, für die Gott selber sorgen wird – das ist jedenfalls seine große Hoffnung.
A: Du meinst, das Wasser ist Symbol für die Güte Gottes, die verschwenderisch in die Welt hinein fließt. Und die sich nicht durch Zerstörung, Gewalt und alles Schwere des Lebens hindern lässt.
U: So blumig würde ich das zwar nicht ausdrücken, aber ja, so ähnlich. Ich würde sagen: Im Leben jedes Menschen gibt es schwere Zeiten – es gibt Leid, Krankheit, Tod, Verluste – auch den Verlust von Freiheit, von Gerechtigkeit – es gibt ungerechte Machthaber, unmenschliche politische Systeme und vieles mehr – ABER: Gott wird nicht zulassen, dass diese Kräfte am Ende siegen. Er will menschenwürdiges Leben für alle.
A: Was für eine Hoffnungsbotschaft. Gottes Güte, seine Kraft, seine Geduld fließen überall immer weiter und tiefer bis in alle Enden der Erde.
U: Und überall, wo Menschen und Erde von diesem Gottesstrom erfasst werden, da verändert sich das Leben, wird heller und freundlicher.
A: Klingt ja zu schön um wahr zu sein. Und wie lange dauert das so? Ich meine, bis die Welt wie ein Paradies ist, so wie es Ezechiel in seinem Traum erlebt?
U: Naja, ein Paradies auf Erden werden wir alle nicht erleben. Wann immer das jemand versprochen hat hatte das in der Regel katastrophale Folgen für viele Menschen. Doch dass unsere Welt und unser Miteinander besser werden, dafür lässt sich schon was tun – von jedem von uns.
A: Dass wir miteinander und füreinander sorgen können, damit kann ich etwas anfangen. Mit dem Wort „Paradies“ allerdings weniger.
U: Wieso denn das? Wie Adam und Eva sorgenfrei leben - also ich finde das prima.
A: Naja, aber der Garten Eden war eingezäunt, also Platz beschränkt. Ezechiel aber träumt ja davon, dass die Begrenzung durch den Gottesfluss aufgehoben wird.
U: Stimmt. Dazu passt auch die Jahreslosung. Kennste die noch?
A: KLAR! - Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
U: Gott gibt umsonst. Gott kommt umsonst, aber nicht vergeblich. Er unterläuft sogar Mauern und Hindernisse.
A: Und lässt aus Sehnsucht und Traum Blüten der Hoffnung und Zuversicht wachsen.
U: Er löscht den Durst nach Gemeinschaft und Versöhnung.
A: Manchmal können wir das sogar schon jetzt sehen: Hier am Hakel und in unseren Gemeinden.
U: Für mich ist das auch immer eine Frage des Blickwinkels - natürlich kann man klagen - und darf das auch. Aber unsere Kirche mit den vielen Engagierten ist für so viele Heimat - nicht nur für die Glaubenden.
A: Vielleicht hast Du recht. Denn Blickwinkel und Haltung verändern die Sicht. Nicht dass alles rosarot schimmert. Aber so, dass das Gute die schlechten Erfahrungen zurecht rückt und ins Gleichgewicht bringt.
U: Es müsste uns nur noch gelingen bei allen Aktivitäten auch von unseren Erfahrungen mit dem Glauben und mit Gott zu erzählen.
A: Das wäre was: Wenn wir miteinander zu einer Erzählgemeinschaft würden, die sich vom Strom Gottes mitreißen lässt - wir würden wirklich zu einer ausstrahlenden Kirche.
U: Da gibt’s so ein nettes Sprichwort der Kerzenmacher in Soweto: Es ist besser ein Licht anzuzünden als der Dunkelheit zu grollen.“
A: Schönes Schlusswort 😊
Beide: Amen.


Hakelgottesdienstzoom
Hakelgottesdienstzoom

Fotos: Lothar Krause

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