Gedenkgottesdienst für die Opfer der Euthanasie

27. Sep 2021

Am Sonntag, den 26.09.2021, fand in der Neinstedter Lindenhofskirche ein Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer der Euthanasie statt.

Vor 83 Jahren begann der Abtransport von über 1.000 Bewohnerinnen und Bewohnern aus den damaligen Neinstedter Anstalten.

Hans Jaekel, Pädagogisch-Diakonischer Vorstand der Evangelischen Stiftung Neinstedt betonte im Rahmen des Gottesdienstes: „Neinstedt war damals ein Ort der Finsternis, der Feigheit und des Machtmissbrauches. Euthanasie, die Tötung behinderten Lebens war eine sozialpolitische Idee. Die Getöteten mahnen uns heute in unserem sozialpolitischen Agieren. Die Achtung vor dem Leben und die Würde des Menschen sind der Evangelischen Stiftung Neinstedt heute Verpflichtung.“

An zwei Tagen im April und Mai 1941, sind 110 Bewohnerinnen und Bewohner aus den Häusern der Neinstedter Elisabethstiftung in die Landesheilanstalt Altscherbitz deportiert worden. Drei Schülerinnen der Fachschule für Heilerziehungspflege verlasen im Rahmen des Gottesdienstes jeden einzelnen Namen. Im Anschluss legten die Teilnehmenden 110 weiße Rosen zum Gedenken an die Opfer am Mahnmal vor der Lindenhofskirche ab.

Seit Jahren arbeiten der Bielefelder Historiker Reinhard Neumann mit Mitarbeitenden der Evangelischen Stiftung und Seminarteilnehmenden aus Bielefeld-Bethel an der Aufarbeitung dieses Kapitels in der Geschichte der Stiftung. So können heute von 996 Menschen, die der Euthanasie zum Opfer fielen, die Namen nachgewiesen werden und wann sie wohin abtransportiert wurden.

Die Kenntnis über das Ausmaß der Euthanasie in Neinstedt wird dadurch immer umfangreicher. Es ist bisher gelungen, mehr als 95 % der Schicksale namentlich zu benennen. Von fast 700 Menschen konnten die biografischen Daten, von ihrer Geburt bis zu ihrem Tod in einer der Mordanstalten, oder auch ihr Überleben nachgewiesen werden.

Diesen Opfern soll nun mit einem Gedenkort ihre Identität wiedergeben werden. Für die Umsetzung dieses komplexen Themas wurde im Jahr 2019 ein Wettbewerb von der Evangelischen Stiftung Neinstedt und der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle ausgelobt.
Der Siegerentwurf soll im nächsten Jahr zum Gedenktag der Opfer der Euthanasie eingeweiht werden.



Gedenken am Mahnmal in Neinstedt (Foto: Andreas Damm / ESN)

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