Ehrung für Hartmut und Marlis Barsnick

14. Feb 2021

Ausgezeichnete Hilfe
Ehepaar Barsnick aus Athenstedt wird bei Rückkehr aus Tansania mit Ehrung überrascht

Gleimhausdirektorin Ute Pott hat eines, Benno Schmidt - besser bekannt als „Brocken-Benno“ - ebenso. Nun dürfen sich zwei weitere Harzer über ein Bundesverdienstkreuz freuen: das Ehepaar Barsnick aus Athenstedt.

Athenstedt. In Afrika sind Marlis und Hartmut Barsnick Überraschungen gewöhnt. Nach monatelangem Einsatz in Tansania zurückgekehrt, fanden beide jetzt einen Brief der Magdeburger Staatskanzlei vor. „Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Ihnen auf Vorschlag von Herrn Ministerpräsidenten Dr. Reiner Haseloff am 26. Oktober 2020 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen“, heißt es darin. Wegen der Corona-Einschränkungen soll die Auszeichnung den beiden Aktivisten erst später übergeben werden.
Mitte Januar kehrten sie aus Tansania für kurze Zeit in den Harzkreis zurück und Hartmut Barsnick berichtete auf Volksstimme-Anfrage, wie inzwischen die Lage in seinem zweiten Heimatland ist. „Das Corona-Virus konnte sich dort nicht weit verbreiten. Jetzt geht aber mein Plan nicht auf, wie üblich für einige Zeit in die USA zu reisen, um weitere Sponsorengespräche zu führen“, sagte er. Also werden beide Senioren nach kurzer Zeit nochmals in ihr Dorf auf den Bergen von Ostafrika reisen und vor Ort Unterstützung zu geben.
Wie ist es eigentlich zu der Verbindung gekommen? Hartmut Barsnick hat es nach der politischen Wende nach Athenstedt verschlagen und bis zu seinem Ruhestand kümmerte er sich um den evangelischen Pfarrsprengel Ströbeck. Mang'oto ist der Sitz eines Pfarrverbandes von vier kleinen Kirchengemeinden am Rand der Livingstone-Berge. „Zwischen Ströbeck und Mang'oto liegen ca. 8000 km, aber der Abstand zwischen Mitteleuropa und Ostafrika bemisst sich nicht nur in Kilometern: Sprache, Kultur, Hautfarbe, Tradition, Lebensstandard, das alles könnte tiefe Gräben darstellen“, sagte Barsnick.
Und doch gab und gibt es Verbindendes: Tansania war einmal „Deutsch-Ostafrika". Kirchen in der ehemaligen DDR haben schon in den 1970er Jahren Kontakte mit Glaubensschwestern und -brüdern im damaligen sozialistischen Tansania angeknüpft. Bei einer Adventsfeier 1992 in der Dorfgaststätte von Sargstedt kam die Möglichkeit solcher Kontakte zur Sprache, und man war sich sofort einig: Das könnte auch eine Herausforderung und Bereicherung des Gemeindelebens sein, zumal der ,,Eiserne Vorhang" zerrissen war und die Erweiterung des Horizontes auf der Tagesordnung stand. Die Anfänge waren bescheiden: Briefwechsel zwei oder drei Mal pro Jahr. 1998 war Pastor Barsnicks erster Besuch in Mang'oto. Pastor Ezekiel Sanga kam auf Gegenbesuch 1999. Barsnick organisierte im Jahr 2000 eine Schüler- und Lehrerstudienfahrt durch Tansania. Daraus entstand eine Partnerschaft des Gymnasiums Martineum mit der Sekundarschule Lupalilo.
Nun fuhr Barsnick jedes Jahr ein oder zwei Mal nach Mang'oto und Umgebung, und im Dialog mit den tansanischen Partnern entstanden immer mehr Projekte: Jährliche Unterstützung der vielen Waisenkinder an etlichen dörflichen Grundschulen, Wassersysteme für mehrere Bergdörfer, Schulgeldhilfe für verwaiste Sekundarschüler, Hauswirtschaftsschule „Mategemeo" in Mang'oto für Grundschulabgänger aus verarmten Familien, Gründung von Kinderkrippen, Baumpflanzaktionen.
Parallel dazu wuchs die Zahl der Sponsoren - zunächst aus den fünf Dörfern der Pfarrsprengels Ströbeck, dann durch persönliche Kontakte Unterstützung von Personen, Kirchengemeinden und Schulen von Rügen bis zum Erzgebirge, von Berlin bis Milwaukee/USA. „Es entstand ein Netzwerk von Christen und vielen Menschen guten Willens, und in Tansania konnten immer mehr Kirchengemeinden und Schulen einbezogen werden“, so Barsnick. Ab 2008 waren Marlis und Hartmut Barsnick jedes Jahr für fünf oder sechs Monate „vor Ort“ und sorgten dafür, dass alle Spendenmittel sorgfältig eingesetzt werden, in Zusammenarbeit mit verlässlichen Partnern.
„Die materielle Hilfe - so nötig sie auch in einem armen Land wie Tansania ist - bedeutet aber nur einen Aspekt von etlichen der Partnerschaftsarbeit“, betonte der Pastor. Es ging und geht weiter um gemeinsames Lernen und die Überwindung von oberflächlichen Klischees über den schwarzen Kontinent, den Kampf dem Virus „Rassismus" durch Einbeziehung von Grund- und Sekundarschulen und sogar Kindergärten auf beiden Seiten und einen
Beitrag zur Stabilisierung des insgesamt friedlichen Landes Tansania.
Schließlich kümmert sich Hartmut Barsnick um die Überwindung des weit verbreiteten kirchlichen Provinzialismus und Gemeindeegoismus, um Einübung in ökumenisches Denken und Handeln.
Im vorigen Jahr konnten in der hiesigen Region zahlreiche der sonst üblichen Begegnungen und Informationsveranstaltungen über die Partnerschaftsarbeit wegen Corona nicht stattfinden. Um so mehr waren die Beiden überrascht über die angekündigte Ehrung. Mit dieser Auszeichnung wird insbesondere das langjähriges ehrenamtliches Engagement zur Armutsbekämpfung in Ostafrika gewürdigt. „Seit vielen Jahren setzen Sie sich in beeindruckender und außergewöhnlicher Weise u. a. mit Projekten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Gemeindeaufbau für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Menschen in Tansania ein. Durch den Aufbau von partnerschaftlichen Beziehungen sowie zahlreiche Spendenaktionen gelingt es Ihnen, Brücken zwischen Deutschland und Tansania zu bauen“, heißt es in dem Schreiben an Hartmut Barsnick.
In dem Brief an Marlis Barsnick steht u.a.: „Von ihren vielfältigen Tätigkeitsbereichen möchte ich Ihren Einsatz für Frauen und Kinder hervorheben. Sie initiieren u.a. Selbsthilfegruppen für Aids-Kranke, Frauen, Witwen und Waisen in Tansania und übernehmen Verantwortung als Vertrauensperson und Ansprechpartnerin“.
„Diese Würdigung gilt uns allen“, hebt Hartmut Barsnick hervor. „Unsere Kirchengemeinden, unser Ökumeneausschuss, unser Freundeskreis und unser Netzwerk haben seit 1992 kontinuierlich die ökumenische Partnerschaftsarbeit betrieben und dabei viele Schwierigkeiten gemeistert“. Die Auszeichnung sei eine Ermutigung für alle, die Arbeit gemeinsam fortzusetzen. Und beide Barsnick sind dabei, die nächste Vorhaben anzupacken, auch wenn allein die Afrika-Hinreise wieder nicht einfach werden dürfte.

Bildunterschriften:
Für Marlies Barsnick stehen in Tansania oft die Kinder im Mittelpunkt ihrer Arbeit.
In einem Gottesdienst übergibt Hartmut Barsnick gezielt eine Spende, die vor allem der Selbsthilfe dient.
Die Kinder in Tansania begegnen ihren Besuchern aus Deutschland mit Neugier und vielen Fragen. Dafür, dass die Mädchen und Jungen eine Schulbildung erhalten, setzt sich das Ehepaar Barsnick ein.

Dieter Kunze

Fotos: Archiv Barsnick

Die beiden Tansania-Aktivisten rufen dazu auf, ihre Hilfsaktionen mit Geldspenden zu unterstützen. Spendenkonto: Kirchenkreisamt Harz-Börde, IBAN DE93 8006 3508 3010 0100 00, Verwendungszweck: „Sargstedt, Tansania, Gesundheit.


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