Wort zum Osterfest von Landesbischof Friedrich Kramer

31. Mär 2021

Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), zum bevorstehenden Osterfest:
Sie müssen zweimal hingucken und verstehen es trotzdem nicht: Ist er das? Sie dachten, es ist alles aus. Die Hoffnung: Begraben. Jesus – der wundervolle Mann, auf den sie so gehofft hatten: Hingerichtet. Gestorben. Ins Grab gelegt.
Sie ziehen deprimiert und mit schweren Gedanken ihres Weges. Einer kommt dazu. Redet mit ihnen und ihr Herz beginnt zu brennen. Er sitzt lebendig bei ihnen und bricht das Brot. Da erst merken sie es und sehen seine Hände. Da sind Wunden. Zwei tiefe Wunden. Wie von einem, den sie ans Kreuz genagelt haben. Jesus lebt. Die Liebe Gottes, die er gepredigt hat - sie ist nicht am Ende. Im Gegenteil: Sie hat den Tod besiegt. Jesus ist auferstanden, und die Hoffnung lebt und ihr Herz bebt.
Wir feiern das zweite Corona-Ostern. Wir fühlen uns mürbe und leer, sind erschöpft. Es reicht! Und es fällt uns immer schwerer, in und mit dieser Pandemie zu leben und beieinander zu bleiben. Als ob der körperliche Abstand immer mehr auch zu einem sozialen Abstand und zum Riss wird. In unseren Gemeindekirchenräten wird diskutiert, in welcher Weise wir Ostern feiern. Was ist der richtige Weg? Durch die ausgerufene und dann zurückgenommene Osterruhe verunsichert, brechen die gleichen Debatten auf wie vor Weihnachten. Die einen fordern klare Ansagen von oben in die eine wie in die andere Richtung. Die anderen wollen sich nichts sagen lassen. Und die Mehrheit redet und diskutiert und findet ihre Entscheidung miteinander, die für sie die richtige ist. Lasst uns beieinanderbleiben und in Liebe die unterschiedlichen Positionen stehenlassen und nicht abwerten.
Eines ist klar und sichtbar: Der Auferstandene ist der Gekreuzigte. Die Spuren bleiben. Aber er ist verändert – durch den Tod gegangen – in ein neues Leben.
Auch wir werden in ein neues Leben gehen. Ihm nach, am Ende unserer Tage, wenn wir sterben. Aber auch schon jetzt in diesen Tagen mitten in der Pandemie. Es wird ein Danach geben. Das ist nur eine Frage der Zeit. Wir werden durch Corona gehen, und es wird uns zu anderen Menschen machen. Viele wollen das wegschieben. Wollen, dass alles wieder so wird, wie es vorher war. Das ist Illusion: Das, was Du erlebt hast, zeichnet Dich. Die Wundmale bleiben. Aber unser Leben kann sich ändern, und die Tränen werden abgewischt.
Dürfen wir, wenn die dritte Welle anschwillt, die fröhlichen Osterlieder singen und uns das Halleluja zurufen? Können wir den Sieg über den Tod feiern, wenn er sich mächtig erhebt? Ostern kommt zur Unzeit.
Im letzten Jahr des Dreißigjährigen Krieges hat Paul Gerhardt das Osterlied: „Auf, auf mein Herz mit Freuden“ (EG 112) geschrieben. Mitteldeutschland lag in Trümmern. Gerade unsere Gegenden sind durchtränkt, vom Blut der Ermordeten und von den Schreien der Vergewaltigten. Zerstörte Dörfer, Städte und Kirchen – keine Ostergottesdienste – Hunger und Elend. Und da versucht Paul Gerhardt sein Herz zu ermutigen: „Auf, auf!“ Denn es liegt darnieder in Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. „Auf mein Herz, nimm wahr, was heut geschicht!“ Es ist Ostern! Sei nicht blind. Nach großem Leiden kommt das große Licht.
Ostern kommt zur Unzeit. Aber gerade jetzt kann der Osterruf, die Posaune über den Gräbern das Herz aus seiner Niedergeschlagenheit erheben.
Die Hoffnung begraben? Nicht mit Jesus. Wenn wir auf ihn schauen, werden wir das Licht sehen und uns ändern und verwandeln: In ein Leben in Liebe. Halleluja!

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