Pfarrer i.R. Gottfried Treblin heimgerufen

25. Okt 2019

Ansprache zum Trauergottesdienst für
Pfarrer i. R. Gottfried Treblin
geboren am 17. September 1922, verstorben am 13. Oktober 2019
Trauergottesdienst am 21. Oktober 2019 in der Moritzkirche Halberstadt
Pfarrer Dr. Torsten Göhler

Sehr geehrte Familien Treblin und Leopold, verehrte Gäste aus Smolec, Großgermersleben und Langeln, liebe Wegbegleiter, Kollegen und Freunde!
Am 13. Oktober ist Gottfried Treblin gestorben. In den 97 Lebensjahren, die ihm geschenkt waren, hat er über drei Generationen das Werden und Wachsen der Familie begleiten können: mit den 4 Kindern, ihren Partnern, den 5 Enkeln und sogar noch den beiden Urenkeln: Theodor und Sophia. Dafür war er dankbar. Lassen Sie uns auf Lebensstationen zurückblicken, von denen Sie mir erzählt haben: Gottfried Treblin wurde am 17.09.1922 als jüngstes von 4 Kindern in Schmolz bei Breslau geboren. Sein Vater Wilhelm Treblin war dort über 40 Jahre als Pfarrer tätig und hatte sich sehr um den Ort und seine Bewohner verdient gemacht. Früh verstarb Gottfrieds nächst älterer Bruder;— durch den Altersunterschied zu den beiden andern Geschwistern (Heinrich war 11 Jahre älter) spielten in der Kindheit weniger die Geschwister — als vielmehr eine ganze Reihe guter Freunde eine Rolle. Im Januar 1942 — kurz vor dem Abitur — wurde Gottfried Treblin zur Wehrmacht eingezogen; kam zur Flak. — Im August 1944 wurde er durch einen Bombensplitter verwundet, so dass sein linkes Bein amputiert werden musste. Aber statt darüber bitter zu werden, fand er immer wieder zu einer positiven Deutung dessen, was ihm widerfuhr: — War überzeugt: Die Verwundung hat mich vor der Front und russischer Kriegsge- fangenschaft bewahrt.„Aber Gott gedachte es gut zu machen“, zitierte er im Rückblick die Josefsgeschichte aus dem 1.Mose 50.
Mit dem letzten Dampfer kam er bei Riga aus dem unmittelbaren Kriegsgebiet heraus.— Eine nicht ungefährliche Überfahrt brachte ihn nach Danzig. — Aber auch dieses Erlebnis deutete er für sich positiv, — als Zeichen der Bewahrung: „Aber Gott gedachte es gut zu machen.“
Lazarett-Aufenthalte folgten und führten ihn u.a. nach Marienburg, — kurz zurück in die schlesische Heimat — und zu Kriegsende schließlich nach Weimar. Nach und nach lernte er mit der Beinprothese, die er dort bekam, wieder zu laufen. — Ein Jahr (!) unermüdlicher Gehversuche lagen da hinter ihm, — aber er gab nicht auf — und war schließlich im Sommer 1946 auch in dieser Beziehung überzeugt: „Aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Dass er nun voller Elan ist, zeigt auch, dass er Geigenunterricht nimmt. Von seinem letzten Sold hatte er sich eine Geige gekauft. Die Erfahrung des Krieges hatte in ihm den Wunsch reifen lassen, Pfarrer zu werden.
Von 1946 — 1951 studierte Gottfried Treblin in Halle/S. Theologie. Geprägt hat ihn die Theologie Martin Kählers; begeistert hörte er Julius Schniewind, der in ihm den Boden bereitete für sein Engagement in der Bekennenden Kirche.
Als Vikar kam Gottfried Treblin nach Niesky, lernte 1952 Elisabeth Kiock kennen, die dort als Katechetin tätig war. — Mit einem Schmunzeln verbinden sich die Erinnerungen an die Verlobung: „Am Abend — unterm Regenschirm.“
1954 heiraten sie — da ist er Anfang 30 — werden von Elisabeths Vater in Weißwasser getraut, wo er Pfarrer ist. — Ihr Trauspruch wurde (wie konnte es anders sein) — 1.Mose 50,20 b: „Aber Gott gedachte es gut zu machen.“
Eine Hochzeit Anfang Februar — draußen waren es minus 20 oC — und es blieb auch keine Zeit für Hochzeitsurlaub, denn Dienst- beginn in der Pfarrstelle Großgermersleben war nur 3 Tage nach der Hochzeit. — „Aber Gott gedachte es gut zu machen.“ —
38 Jahre blieben und wirkten sie beide dort. Etwa nach der Hälfte der Zeit — Anfang der 70er Jahre — gab es einen Wechsel in den pfarramtlichen Aufgaben: — Gottfried Treblin konzentrierte sich nun mehr auf Büro, Archiv und Verwaltung, — während seine Frau ihren Schwerpunkt in der Verkündigung setzte.
In Seelsorge und Besuchsdienst waren und blieben sie beide aktiv. „Andern Menschen zu begegnen und mit ihnen zu reden,“ so betont Gottfried Treblin im Rückblick auf sein Berufsleben, „war mir immer ein Anliegen und eine Freude.“ So “gedachte es Gott“ im Dienst in der Gemeinde zu jeder Zeit „gut zu machen“; je nach Kräften ergänzten beide Ehepartner einander. Mit der Zeit in Großgermersleben verbinden sich auch die Kindheitserinnerungen der vier Kinder Eva-Maria, Monika, Michael und Martin, die im Abstand von 8 Jahren geboren wurden.
Und wenn ich lese, dass zur Silberhochzeit 1979 eines der Kinder, Martin, damals gerade 16 Jahre alt, die Andacht hielt, dann staune ich — und bekomme eine Ahnung von dem innigen Verhältnis zwischen Eltern und Kindern.
Im Januar 1992 zogen Elisabeth und Gottfried Treblin — nun beide im Ruhestand — nach Langeln, wo sie sich 20 Jahre in der Gemeinde engagieren, insbesondere im Besuchsdienst und durch das Singen und Musizieren:
Gottfried Treblin schreibt rückblickend, mit wieviel Freude er in verschieden Chören gesungen, Geige und Posaune gespielt hat. Seine Frau Elisabeth erinnert sich an die Mutter-Kind-Gruppe, die sie „aufgebaut" hat und an die Gestaltung des Weltgebetstages.
Aber auch über die Arbeit hinaus waren Elisabeth und Gottfried Treblin in vielen Interessen miteinander verbunden, sind gern gewandert und oft verreist. — So haben sie 1992 und 2003 auch noch einmal Smolec besucht, wo Gottfried Treblin aufgewachsen ist. Aus den Begegnungen, die sich dabei ergeben haben, hat sich mancher Kontakt bis heute erhalten. Nach einem Schlaganfall, von dem Gottfried Treblin sich langsam erholte, mussten beide ihren Alltag auf die neue Situation einstellen und fanden 2012 in Halberstadt — in der Nähe der Familie des Sohnes Michael — eine passende Wohnung im Finckehof. Hier sind wir einander oft begegnet, — aber auch im Gottesdienst, den beide — so oft es ging — besuchten. — Und mir hat sich aus all diesen Begegnungen insbesondere der Humor eingeprägt, mit dem Gottfried Treblin jede Lebenslage zu nehmen wußte.
Gern haben Elisabeth und Gottfried Treblin auch noch von Halberstadt aus die jährlichen Frühlingskonzerte in Langeln besucht; noch im vergangenen Jahr waren sie dort und erzählten begeistert davon. Eine ganze Reihe familiärer Höhepunkte haben sich mir aus dieser Zeit in Halberstadt, in der ich beide erlebt habe, eingeprägt: Die Taufen der beiden Urenkel: Theodor und Sophia — aber auch die Feier der Diamantenen Hochzeit vor 5 Jahren. So wussten sich beide in der Gemeinschaft der Familie geborgen; ganz gleich, ob an den Wochenenden, — ob zu Feiertagen wie Weihnachten und Ostern — ob zu Geburtstagen und anderen familiären Höhepunkten: — immer waren beide dabei und haben die Begegnungen, Gespräche, die Hausmusik genießen können.
Gerade die Nähe der Kinder in Klein Quenstedt hat ihnen die Möglichkeit gegeben, in ihrem vertrauten Zuhause im Finckehof zu wohnen. Das haben sie mit Freude und Dankbarkeit bemerkt. Dankbar waren sie gleichermaßen für die Unterstützung durch den Pflegedienst der Diakonie; tief eingeprägt hat sich der Familie die Abschiedsandacht, die Schwester Angelika gehalten hat. In den letzten Tagen ergaben sich für Familie und Freunde viele Gelegenheiten Abschied zu nehmen. In Erinnerung bleibt mir — aus den persönlichen Begegnungen ebenso wie aus Gesprächen mit Ihnen — eine große Dankbarkeit und Lebenszufriedenheit, in der Gottfried Treblin gesagt hat: „Mir ist es immer gut gegangen.“ Vom Glauben her hat sich das für ihn verknüpft mit der Josefsgeschichte, die in 1.Mose 50,20 auf die Feststellung Josefs hinausläuft: „Aber Gott gedachte es gut zu machen.“ Josef, der sich so oft schweren, lebensbedrohlichen Situationen ausgeliefert erlebt hat, hat am Ende erkannt, wie oft ihm Gott herausgeholfen hat, so dass er seinen Frieden mit dem Erlebten machen konnte. Gottfried Treblin hat sich in vielem davon wiedererkannt. Sein Glaube an Gott, der einst Josef aus aller Bedrängnis heraushalf, hat ihn sein Leben verstehen helfen. Amen

Gottfried Treblin

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