Auf Initiative der Evangelischen Kirchengemeinde setzten ca 330 Quedlinburgerinnen und Quedlinburger auf dem Marktplatz der Stadt ein kraftvolles Zeichen für Mitmenschlichkeit, Respekt, Gemeinschaft und Demokratie.
Was braucht unsere Gesellschaft gerade besonders? Mehr Zusammenhalt, Respekt und Menschlichkeit. Mit der Aktion „Liebe tut der Seele gut“ hat die Evangelische Kirchengemeinde Quedlinburg und die Partnerschaft für Demokratie Quedlinburg ein bewusst einfaches, aber sichtbares Zeichen für Nächstenliebe, Verbundenheit und gelebte Gemeinschaft gesetzt.
Pfarrerin Franziska Junge hielt nach der Eröffnung durch den Posaunenchor eine kleine Ansprache, die hier nachzulesen ist:
Herzlich willkommen auf dem Marktplatz in Quedlinburg!
Wie schön, dass ihr euch aufgemacht habt, sogar von weit her.
Toll, dass du heute hier bist!
Warum stehst du hier?
Ich unterstelle dir einmal frech:
Nicht nur, weil der Posaunenchor so schön spielt und weil dir ein weißes T-Shirt besonders gut steht.
Du stehst hier – weil du gemeinsam etwas sichtbar machen willst.
Etwas Wichtiges.
Vielleicht sogar das Wichtigste:
Liebe tut der Seele gut.
Stimmt’s?
Wenn das stimmt, dann stimmt auch das Gegenteil:
Hass schadet der Seele.
Dabei schadet er nicht nur denen, die ihn abbekommen.
Hass ist wie Rost, er frisst sich vor allem nach innen,
Er macht eng und klein.
Liebe macht das Gegenteil.
Sie verbindet.
Sie macht den Blick weit.
Sie sieht das, was gemeinsam möglich ist.
Deshalb stehen wir heute hier.
Nicht, um andere niederzuschreien oder kleinzumachen.
Sondern um zu zeigen, was gemeinsam durch Liebe alles möglich ist,
…wenn du mitmachst.
Liebe, das klingt manchmal so banal.
Als würde man zu allem „Ja“ und „Amen“ sagen.
Wie so ein Zuckerguss, der am Ende einfach drüber gekippt wird, damit es wenigstens von außen einen guten Anschein erweckt.
Aber Liebe ist nicht banal und schon gar kein rosaroter Zuckerguss.
Sie ist der Grund, auf dem wir leben.
Und sie ist auch der Grund, NEIN zu sagen.
Nein zu allem, was diese Grundlage unter uns ins Wanken bringen will.
Nein zur Ausgrenzung.
Nein zur Menschenverachtung.
Nein zur Lüge.
Liebe kann wahnsinnig anstrengend sein.
Weil es anstrengend ist, an das Gute zu glauben.
Weil Enttäuschung auch zur Liebe gehört.
Aber an was sonst sollten wir uns festhalten in diesem Leben?
Ich bin davon überzeugt: Ganz am Ende deines Leben stehen nicht deine Erfolge oder Misserfolge um dein Bett.
Ganz am Ende stehen hoffentlich die Menschen um dein Bett, die du geliebt hast und von denen du geliebt worden bist.
Und wir fühlen: Wir waren und sind nicht allein.
Gleich stellen wir uns zu einem großen Herz auf, um ein Foto von oben zu machen.
Von dort wird man keine Berufsabschlüsse oder Kontostände sehen, die uns trennen.
Von dort wird man einzig ein großes Zeichen der Verbundenheit sehen.
Man wird Menschen sehen, auf die es ankommt.
Auf jede Einzelne und jeden Einzelnen hier.
Deine Liebe braucht es in dieser Welt. Immer!
Auch nach dem 6. September!
Hör nicht damit auf!
Lass dich nicht kleinfressen!
Du bist nicht ohnmächtig!
Du bist nicht allein.
Neben dir steht ein Mensch, der dieselbe Sehnsucht nach Verbundenheit in sich trägt, wie du.
Und wenn ich als Pfarrerin noch zwei Sätze hinzufügen darf:
Neben dir steht ein Mensch, der genauso geliebt ist wie du.
Von Gott – dieser großen Kraft, die uns zuerst geliebt hat, lange bevor wir etwas leisten konnten.
Darum stehen wir heute hier.
Denn solange wir lieben können in Quedlinburg, sind wir dem Himmel näher als wir glauben.
Liebe tut der Seele gut.
Danke.
Unter den Klängen des Posaunenchors wurde danach gemeinsam ein großes Herz gestellt.
330 Menschen waren Teil des Herzens, das aus der Luft fotografiert wurde. Und als dann alle gemeinsam „We shall overcome“ sangen, war das ein besonderer Gänsehaut-Moment.
Sehr viele Menschen trugen dabei ein weißes T-Shirt mit dem goldenen Schriftzug „Liebe tut der Seele gut“ – das machte die Botschaft auch äußerlich sichtbar.
Fotos: Elmar Egner, Kirchenkreis Halberstadt