24. Aug 2026
28. Bonhoeffer-Tag in Friedrichsbrunn
Bereits zum 28. Mal fand am 23. August 2026 in Friedrichsbrunn der Bonhoeffer-Tag statt, der in Zusammenarbeit zwischen dem Kirchspiel Bad Suderode-Friedrichsbrunn und dem Trägerverein des Bonhoeffer-Hauses in Friedrichsbrunn organisiert wird. In diesem Jahr stand der Tag unter der Überschrift eines Zitates von Dietrich Bonhoeffer: „Tun des Ge-Rechten“. Dabei ging es sowohl im Gottesdienst als auch in den sich anschließenden Vorträgen darum, welche Aufgaben Christen in einem Rechtsstaat haben, worin überhaupt die Aufgaben eines Staates bestehen und welche persönlichen Folgen es hat, wenn ein Rechts- zu einem Unrechtsstaat wird.
Zu Beginn des Tages feierten rund 150 Menschen gemeinsam einen Gottesdienst im Garten des Bonhoefferhauses. Die Gäste kamen dabei nicht nur aus den umliegenden Gemeinden und dem Harz, sondern auch aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen und anderswo her. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Reinhard Witte, der zuletzt im Kirchenkreis Halberstadt für Vertretungsdienste beauftragt war und im Vorstand des Trägervereins engagiert ist, und Pfarrer Ulrich Kasparick, der neben dem Pfarrdienst auch in der Politik tätig war, unter anderem als Parlamentarischer Staatssekretär. In seiner Predigt ermutigte Ulrich Kasparick die Gemeinde dazu, als Christenmenschen klar und entschieden aufzutreten, an der Seite der Schwachen und Minderheiten zu stehen und sich in Anlehnung an den Propheten Amos für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen. Für ein solches Engagement sei der regelmäßige Rückzug in die Stille notwendig, insbesondere in Zeiten, die zunehmend von Gebrüll gekennzeichnet sind. Schließlich erinnerte er die Zuhörenden zum einen an die jüdische Tradition, wonach die Hoffnung immer auch aus dem Erinnern komme, und zum anderen daran, dass Zukunft immer offen ist und ganz anders als erwartet werden könne – auch besser als befürchtet.
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatten Christine und Hartmut Bick. Der Beifall am Ende des Gottesdienstes zeugte davon, wie wohltuend die Musik war.
Nach einer Stärkung im Café Bonhoeffer ging es anschließend in die Bonhoefferkirche. Dort stellte Dr. Frauke Geyken aus Göttingen zunächst die Biografie des Juristen Gerhard Leibholz vor. Dieser war mit Sabine, der Zwillingsschwester von Dietrich Bonhoeffer, verheiratet. Er war ein angesehener Jurist, dessen Tätigkeit als Hochschullehrer an der Universität Göttingen durch die Nationalsozialisten zunehmend erschwert worden war. Die Repressalien zwangen ihn schließlich 1938 zur Emigration nach England gemeinsam mit seiner Familie. Als „der Deutsche“ machte er dort im britischen Exil erneut die Erfahrung von Ausgrenzung. Diese Erfahrung setzte sich auch nach der Rückkehr nach Deutschland 1947 fort. Zwar konnte er erneut als Hochschullehrer wirken und war jahrelang Richter am Bundesverfassungsgericht; dennoch begleitete ihn der Vorwurf, als ehemaliger Exilant nicht in Deutschland vor Ort gewesen zu sein und daher nicht mitreden zu können.
Eindrücklich zeichnete Frauke Geyken die Sehnsucht nach Zugehörigkeit sowie die Erfahrung von Ausgrenzung nach. Das gut dokumentierte Schicksal von Gerhard Leibholz steht dabei exemplarisch für viele Menschen, die diese Zerrissenheit ebenfalls erlebt haben.
Professor Dr. Michael Germann aus Halle widmete sich dann in einem zweiten Vortrag dem Grundgesetz. Sein Ausgangspunkt war dabei die fünfte These der sog. Barmer Theologischen Erklärung, wonach es Aufgabe des Staates sei, für Recht und Frieden zu sorgen. In seinen Ausführungen machte er unter anderem deutlich, dass ein Rechtsstaat nicht einfach Gerechtigkeit versprechen würde – wohl auch weil die Ansichten, was gerecht ist, vielfältig sind und es nicht die eine Definition derselbigen gibt. Zum Rechtsstaat gehöre es weiterhin, dass die Meschen Entscheidungen, die demokratisch legitimiert seien, als verbindlich anerkennen müssen. Eine Aufgabe, die je nach Ausgang einer Wahl, von verschiedenen Seiten als herausfordernd empfunden werden kann.
Abschließend führte Michael Germann anhand von Beispielen aus, dass sich die Bürger in einem Rechtstaat verantwortungsvoll an diesem zu beteiligen haben, unter anderem indem sie ihre Rechte wahrnehmen.
Ein anspruchsvoller Bonhoeffer-Tag klang schließlich bei Kaffee und Kuchen im Café Bonhoeffer aus. Herzlichen Dank allen, die zum Gelingen dieses Tages beigetragen haben.
Text: Dr. Saskia Lieske
Fotos: Max Zehnpfund











