Rein ins kalte Wasser

15. Jan 2026

Tauferinnerung mit Eisbaden

„Ich fühl´ mich wie neu geboren“, sagen die einen. Die anderen frieren schon beim Zuschauen. Es geht ums Eisbaden - rein ist kalte Wasser.


Was für die einen ein Lifestyle-Trend ist, wird doch Jahr für Jahr in den orthodoxen Kirchen als großes Fest am und im Wasser gefeiert. 


In der alten Kirche erinnerte man am 6. Januar an die Taufe von Jesus im Jordan. Man ging zu Flüssen oder Seen und machte sich dabei auch der eigene Taufe bewusst: Gott sagt „Ja“ zu mir: „Ich gehe mit dir durch dick und dünn und auch durchs Wasser“. So, wie sich das Christentum dann in alle Himmelsrichtungen ausbreitete, waren die Gewässer in vielen Ländern Anfang Januar zugefroren. Und so wurde die Tauferinnerung zum Eisbaden.


Dieses alte christliche Fest der Theophanie hat die Neue Evangelische Kirche Wernigerode aufgegriffen und am 11. Januar 2026 bei klirrend schönem Winterwetter zur Tauferinnerung mit Eisbaden an den Reddeberteich an der Teichmühle in Wernigerode eingeladen.


Ein kurzer Gottesdienst mit Segnungen zur Tauferinnerung wurde gefeiert. Und dann stieg die Spannung, die vielen Schaulustigen drängten sich ums Ufer.


Denn nun wurde es ernst – oder besser kalt und nass. „Fast 50 Mutige, darunter ein drittel Erstbader wagten den Weg ins kalte Nass“, berichtet Pfarrer Frank Freudenberg, der selbst mehrmals in der Woche in seine Eistonne steigt. 

Tatkräftige Unterstützung erfuhr die Kirchengemeinde durch die DLRG. Diese stellte nicht nur sicher, dass alle gut rein und raus kamen, sondern schnitt mit fleißigen Helfern der Kirchengemeinde die vereiste Oberfläche des Sees frei. Aus den Schollen fertigten sie einen Altar mit einem Kreuz aus Eis. Und als dann am Sonntagmorgen bei minus 13 Grad und blauem Himmel die Sonne durch den Eisaltar schien, glitzerte und funkelte alles um die Wette. Mancher stand mit offenem Mund und sprachlos davor. Eine Frau staunte: „Das ist das Schönste, was ich seit langem gesehen habe“.


Frank Freudenberg