Loslassen und bewahren

21. Jun 2026

Entpflichtung von Pastor Reinhard Witte in Hedersleben

Auch wenn Reinhard Witte nur 1 ½ Jahre in den Pfarrbereichen Bode-Selke-Aue und Wegeleben tätig war, hat er doch dort seine Spuren hinterlassen. Das wurde ihm in einem gut besuchten Gottesdienst deutlich gesagt und gezeigt.


Am 20. Juni 2026 endete für ihn nach 41 erfüllten Berufsjahren der Dienst als Pastor. Die Entlassungsurkunde kam aus Kiel – ein Hinweis darauf, wo seine berufliche Heimat lag. Den größten Teil seines Lebens wirkte er im Norden, leitete und begleitete dort Gemeinden. So blieb er für viele: Pastor, nicht Pfarrer.


Ein Abschied hat immer einen Moment der Wehmut und einen Moment der Hoffnung. Beides kam zum Ausdruck in den Gebeten, bei der Ansprache zur Entpflichtung und in der Predigt.


Reinhard Witte zeigte einmal mehr, was für ein begabter Prediger er ist, und das ganz ohne Manuskript. Mit sicherem Gespür rückte er Johannes den Täufer in den Mittelpunkt: diesen faszinierenden Mann, der sich ungewöhnlich kleidete und ernährte, taufte und die Menschen zur Umkehr rief. Johannes stellte sich nie selbst in den Mittelpunkt, sondern wies auf Jesus hin.


Das ist auch heute unsere Aufgabe: Hinzuweisen auf Jesus, den Heiland aller Menschen. Vieles hat sich verändert seit Reinhard Witte seinen Dienst begann, das aber bleibt, auch wenn sich vieles wandelt. Er zitierte Dietrich Bonhoffer aus einem Brief von 1944: „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen.“


Superintendent Jürgen Schilling würdigte in seiner Ansprache die Lebens- und Berufswege des Pastors, bevor er mit der Gemeinde für ihn betete und ihm den Segen Gottes zusprach. Besonders hervorgehoben wurde Psalm 103, daraus ein Vers, der Reinhard Witte stets begleitet hat: „Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“


Musikalisch ausgestaltet wurde der festliche Gottesdienst von Erik Deuerling an der Orgel und dem Chor unter der Leitung von Pfarrer Christian Plötner  „TheMusicalOnes“, der nach jedem Lied verdienten Beifall bekam.


Nach dem Gottesdienst waren alle eingeladen zu einem Beisammensein vor der Kirche mit Getränken, einem Imbiss und der Möglichkeit für Grußworte. Die kamen aus den Gemeinden der Umgebung, einigen früheren Wirkungsstätten, dem Bürgermeister von Wegeleben und der Familie von Reinhard Witte.
Alle lobten ihn als guten Verkündiger und Seelsorger mit Herz, Verstand und Humor.


Reinhard Witte freute sich nicht nur sichtlich, sondern bedankte sich, auch im Namen seiner Frau Cordula Haase, dafür, so freundlich in den Gemeinden auf- und angenommen worden zu sein. Nach manch herausfordernden Zeiten habe ihnen diese Wertschätzung besonders gutgetan.


In einem Gebet hieß es:
„Loslassen und bewahren, beides. Gott, gib Reinhard Witte den Mut, die Hände zu öffnen, um Altbekanntes loszulassen. Gib ihm den Mut, die Hände zu öffnen und die Arme auszubreiten, um Neues, Unbekanntes zu begrüßen.“


Ursula Meckel


Fotos: Gertraud Hampe, Ursula Meckel, Kathrin Witte