Friedensandacht auf dem Brocken

22. Aug 2026

Friedensandacht auf dem Brocken - am 22.08.2026 wurde eine neue Tradition begründet

In seinem Grußwort anlässlich der ersten Friedensandacht auf dem Brocken schlug Landrat Thomas Balcerowski vor, dies zu einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung zu machen. Diesem Wunsch ging eine Andacht voraus, die Pfarrer Matthias Zentner hielt - unterstützt von ehrenamtlichen „Logistikern“ und dem Bläserensemble der Neuen Evangelischen Kirchengemeinde. Die neue Tradition geht auf zwei Impulse zurück., so Zentner. Einerseits wandern die Wernigeröder Christen seit 2025 ohnehin viermal im Jahr auf den Brocken, um den Hausberg zu besteigen und dabei ausreichend Zeit und Muße zu haben, über Gott und die Welt ins Gespräch zu kommen. Anderseits lösten die Pläne der Bundeswehr, im Herzen des Nationalparks ein „Rekrutierungscamp“ zu veranstalten, Protest aus, der sich in einer Petition mit 14.574 Unterschriften gegen dieses Camp niederschlug, organisiert von Andreas Tille, einem der Mitglieder der Wernigeröder ‚parents for future‘ und am Samstag ebenfalls mit einem Grußwort beteiligt.

In seiner Andacht erinnerte Matthias Zentner an den Konziliaren Prozess der 1980er Jahre, der die drei Themen Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung zu (Über-)Lebensfragen machte. Aus den ökumenischen Versammlungen, die dies- und jenseits der innerdeutschen Grenze stattfanden, entwickelte sich nicht nur ein größeres Bewusstsein der Kirchen für diese drei Themen. Unzähligen Friedens- und Umweltgruppen gründeten sich, die im Ostteil des Landes je ihren Beitrag zum Sturz der SED-Diktatur geleistet haben. Dass die Teilnehmenden heute auf diesem „ungeteilten Berg“ zusammen kommen können - auch daran wurde mit Dankbarkeit erinnert.

Angesichts der globalen Herausforderungen unserer Tage erinnerte Zentner daran, dass die Sorge um diesen Dreiklang dringlicher zu sein scheint als je zuvor. Gerechtigkeitsfragen sorgen für einen Teil der disruptiven Energien, die das gesellschaftliche Klima gerade verändern. Leere Flüsse und brennende Wälder zeigen, wie schlecht es der Menschheit gelingt, gegen den Klimawandel anzugehen. Dass junge Menschen die Kriege „vor der Haustür“ nicht nur wahrnehmen, sondern sich auch sorgen, Teil kriegerischer Auseinandersetzungen zu werden, macht die Dringlichkeit der Friedensfrage deutlich, die Menschen in anderen Regionen dieser Welt längst viel härter trifft.

Sich unangenehmen Gefühlen zu stellen, die eigene Verantwortung in diesen Fragen zu sehen und auch zu übernehmen - daran könnten wir scheitern, weil unser Kräfte augenscheinlich nicht reichen - es sei denn, wir rechnen mit der Kraft Gottes, die Unmögliches möglich machen hilft. Das Kreuz, so Zentner, erinnert an Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Für ihn sieht es aber auch wie ein „Plus“ aus, das Gott und seine Leute verbindet. Statt, wie derzeit vielfach üblich, nur das Negative zu sehen, sondern sich an dem zu freuen, was gelingt - auch daran erinnert dieses Plus. Aus beidem, aus Gottvertrauen und einem Blick auf’s Positive können Mut und Zuversicht entstehen, nicht das erste und auch ganz sicher nicht das letzte Mal.

Fotos: Konrad Ehelebe, Klaus-Peter Schweiger, Matthias Zentner