Vorsitzende tagten

12. Jun 2014

Die Vorsitzenden der Gemeindekirchenräte des Kirchenkreises Halberstadt tagten zum Thema "Bau und Finanzen"

Gemeindekirchenratsvorsitzendenkonvent 11. Juni 2014

22 von den 49 GKR-Vorsitzenden des Kirchenkreises waren der Einladung zum 11. Juni ins Cecilienstft Halberstadt gefolgt, um sich fachfrauisch informieren zu lassen über das Bauwesen („Von der Planung zur Ausführung“), Sammelversicherungsverträge mit der Ecclesia, Gebäudeverwaltung, Arbeits- und Gesundheitsschutz und aktuelle Kirchengesetze.

Andrea Wenzel, Erika von Knorre, Dörthe Kramer und Karin Gläser gaben ausführliche Erklärungen und wiesen auf Info-Materialien hin.

Zuvor hatte Martin Saß darum gebeten, Informationen und Fotos über die 117 Kirchengebäude für die Internet-Präsenz zur Verfügung zu stellen: Täglich klicken 80 bis 100 Interessierte die Seite an, darunter viele Touristen.

In ihrer Andacht zu Beginn des Treffens warben Superintendentin Angelika Zädow und Pastorin Ursula Meckel für einen fairen Umgang miteinander, auch bei unterschiedlichen An- und Einsichten, und für Vertrauen - Vertrauen zu uns selbst, Vertrauen zu den anderen in den Gemeindekirchenräten – Vertrauen zu den Mitarbeitenden in unseren Ämtern - vor allem aber Vertrauen zu Gott, auch wenn er uns manchmal Wege führt, die uns nicht eingefallen wären und die uns auch nicht gefallen.

Andacht GKR-Vorsitzenden-Konvent

(A = Angelika Zädow; U = Ursula Meckel)

Lied: Komm, bau ein Haus ...

A.:

Das ist ein schönes Lied – es macht Spaß, es zu singen und es hat auch einen schönen Text. Klingt richtig einladend.

U.:

Klingt tatsächlich so, als würde es Spaß machen, ein Haus zu bauen – oder auch nur auszubauen – oder umzubauen – sozusagen fröhlich. Und es dann auch noch fröhlich zu nutzen – mit Kindern und Alten und sogar mit Tieren – und dann der Himmel, der uns blüht. Klingt echt schön – ich fürchte nur, es hat mit der Realität eher gar nichts zu tun.

A.:

Wieso das denn? Macht es nicht Spaß, sich in einem Haus zu treffen, dort zu Hause zu sein – etwas miteinander zu machen – zu spielen, zu singen, zu beraten, zu beten, aufeinander zu hören, miteinander zu reden – miteinander zu essen und zu trinken. Ich finde Häuser schön.

U.:

Klar – WENN sie schön sind – aber oft sind sie es eben nicht – oder nicht mehr – und dann muss gebaut werden – dazu braucht man Pläne – und Genehmigungen – und Geld – und Anträge – und Nerven wie Stahlseile. Mindestens! Ich bin so etwas von froh, dass ich mit dem all dem nichts mehr zu tun habe, seit ich keine „normale“ Gemeindepastorin mehr bin (was immer an diesem Beruf „normal“ ist   J ).

A.:

Jetzt übertreibst Du aber. Natürlich muss geplant werden, natürlich müssen vorher die Kosten berechnet werden – natürlich muss im Vorfeld der Bedarf überprüft werden – natürlich müssen Gemeinden wissen, was sie sich leisten wollen und auch können.

U.:

Nicht zu vergessen, dass viele unserer Gebäude unter Denkmalschutz stehen – und dann gibt es die obere und die untere und die mittlere Denkmalschutzbehörde – und die ganzen innerkirchlichen Vorschriften und Formulare und Einschränkungen und ne Heimmindestbauverordnung und den Brandschutz und den Hochwasserschutz und …

A.:

Jetzt höre aber auf – wir wollen die GKR-Vorsitzenden doch nicht ENTmutigen, sondern ERmutigen – auch bei allem, was mit dem Bauen zu tun hat. Ich schlage vor, wir schlagen mal die Bibel auf, was es da so über Bauen zu finden gibt.

 

U.:

Mir fällt da sofort der Turmbau zu Babel ein – ist aber wohl kein gutes Beispiel, denn damals ist es tüchtig daneben gegangen, wenn ich mich richtig erinnere. Am Ende waren alle zerstritten und die Menschen verstanden sich untereinander nicht mehr.

A.:

Die wollten damals etwas bauen, um unsterblich zu bleiben und nicht vergessen zu werden; nicht, um darin zu leben. Ich habe hier einen anderen Text:

Lukas 14, die Verse 28 bis 33:

28 Wenn jemand von euch ein Haus bauen will, setzt er sich doch auch zuerst hin und überschlägt die Kosten. Er muss ja sehen, ob sein Geld dafür reicht.

29 Sonst hat er vielleicht das Fundament gelegt und kann nicht mehr weiterbauen. Alle, die das sehen, werden ihn dann auslachen und werden sagen:

30 ›Dieser Mensch wollte ein Haus bauen, aber er kann es nicht vollenden.‹

31 Oder wenn ein König gegen einen anderen König Krieg führen will, wird er sich auch zuerst überlegen, ob er mit zehntausend Mann stark genug ist, sich den zwanzigtausend des anderen entgegenzustellen.

32 Wenn nicht, tut er besser daran, dem Gegner Unterhändler entgegenzuschicken, solange er noch weit weg ist, und die Friedensbedingungen zu erkunden.«

U.:

Das finde ich ja bezeichnend: Da wird das Bauen mit Kriegführen verglichen – so weit würde nicht mal ich gehen -  obwohl …

A.:

Es geht darum, verantwortlich mit dem umzugehen, was uns anvertraut ist. Dazu kann es sehr unterschiedliche Ansichten und Einsichten geben – und schmerzhafte Entscheidungen. Ich würde es dennoch nicht mit einem Krieg vergleichen wollen – schon gar nicht mit einem zwischen den Gemeinden und den Ämtern. Ärgern darf man sich schon übereinander, auch streiten – wenn das Wissen bleibt, dass es ohne Planen und Kostenaufstellungen nicht geht. Und auch das Fundament muss stimmen.

U.:

Da kann ich gut mitgehen. Ich will an eine gute Lösungen glauben. Mindestens an den guten Umgang miteinander. Dass wir untereinander  unterschiedliche Positionen aushalten.   Ich wünsche mir einen fairen Umgang miteinander und das Vertrauen, dass jeder an guten und langfristigen Lösungen interessiert ist. Dass unsere Gemeinschaft durch immer neue Aufgaben und Problemlösungen gestärkt wird.

A.:

Ich wünsche mir, dass die Entscheidungsträger in ihrer Arbeit das Gefühl und die Gewissheit haben, selbst getragen zu werden. …………... Ich denke wir können darauf vertrauen, dass Gott  uns nicht zu viel auflädt. 

Ich werbe daher um Vertrauen zu uns selbst, Vertrauen zu den anderen in den Gemeindekirchenräten – Vertrauen zu den Mitarbeitenden in unseren Ämtern - vor allem aber Vertrauen zu Gott, auch wenn er uns manchmal Wege führt, die uns nicht eingefallen wären.

U.:

Und die uns auch nicht gefallen.

Letztlich geht es um das Haus Gottes – das, wo wir Menschen lebendige Steine sind. Im Hebräerbrief heißt es:

Sein Haus sind wir, wenn wir das Vertrauen und den Ruhm der Hoffnung festhalten. Hebr. 3; 6

Darum geht es. Um Häuser, in denen von Gott erzählt wird. Um Häuser, in denen Menschen zu Wort kommen. Um Häuser, die schützen. Um den Himmel, der uns blüht.

Ursula Meckel, Pastorin

Pieta
Dom Halberstadt innen

Fotos: Karina Simon, Ursula Meckel

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