Frieden und Einheit

21. Sep 2014

Ökumenisches Fest am Halberstädter Dom

Gastfreundschaft

„Schmeckt die Schokolade wirklich?“ fragte eine ältere Dame etwas skeptisch ihre Nachbarin, doch die konnte das nur bestätigen: „Ja, sie schmeckt gut.“ Das Schokoladenherz gehörte zu einem Willkommenskärtchen, das auf jedem Platz im Hohen Chor des Halberstädter Domes lag, um die Besucher/innen besonders freundlich willkommen zu heißen. Willkommen zu der Ökumenischen Vesper aus Anlass des kirchlichen Festes für den Frieden und die Einheit der Kirche, das seit der Reformation über 250 Jahre gemeinsam von evangelischen und katholischen Domherren gefeiert wurde. Diese Tradition wurde in Halberstadt wieder zum Leben erweckt.

Der katholische Diakon Andreas Weiß nahm in seiner Ansprache bei der Vesper deutlich die Frage auf: Wie weit geht die Gastfreundschaft unter uns Christen? Er führte aus, dass Jesus selbst niemandem vom gemeinsamen Mahl ausgeschlossen hat und zitierte etwas umformuliert: Das gemeinsame Mahl wird nicht möglich, nachdem wir Christen uns geändert haben, sondern damit wir uns ändern können! Er wies darauf hin, dass auf der Huysburg die eucharistische Gastfreundschaft mit Leben erfüllt wird und fügte hinzu: „Wer ein Ziel erreichen will, sucht nach Wegen; anderenfalls sucht man nach Gründen.“

Das lässt hoffen, ebenso wie das spätere Referat von Bruder Hubert Wachendorf OSB (Kloster Huysburg) zum Thema „Mahlhalten verpflichtet“, dem sich eine lebhafte Diskussion anschloss: WER lädt ein zum Mahl – doch nicht der Priester oder ein/e Pfarrer/in, sondern Christus selbst und er hat sich mit wenig anerkannten Menschen an einen Tisch gesetzt. Wichtig bleibt, dass der Glaube und das Mahl anderer Konfessionen nicht richtig oder falsch, sondern ehrlich, aber eben anders sind. Diese Erkenntnis ist eine tragfähige Grundlage für Gespräche, die keinen Einheitsbrei als Ergebnis wollen. Selbst wenn es immer noch nicht nach einer zeitnahen Lösung aussieht: "Der Mauerfall vor 25 Jahren kam auch unerwartet!" Beifall bekam der Referent für seinen Satz: „Freiheit muss ich mir NEHMEN.“

Zwischendurch waren alle Gäste zu einem liebevoll vorbereiteten warmen Mahl eingeladen und die langen Tische füllten sich mit vielen gesprächsfreudigen Menschen. Untermalt wurde das gemeinsame Essen von Bläser/innen aus Halberstadt und der Region, die schon vor dem Beginn des Festes mit ihrem Turmblasen darauf aufmerksam gemacht hatten.

Mit dem ökumenischen Gebet zur Nacht, einem Teil der traditionellen Liturgie aus dem mittelalterlichen Friedensfest, fand dieser gelungene Abend des 20. Septembers seinen Abschluss.

Ursula Meckel

 

Friedensfest HBS
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Fotos: Ursula Meckel

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