24. Jul 2012
Wort aus der Kirche zum vergangenen Sonntag
Vermittler werden gebraucht und wurden immer gebraucht. Manche Menschen vermitteln von sich aus. Andere werden beauftragt, beispielsweise Botschaften zu übermitteln. Wer vermittelt, der sitzt zwischen zwei Stühlen. Das ist oft kein bequemer Platz. Von beiden Seiten können Vorwürfe kommen und das scheuen viele. Gesellschaft braucht Vermittler – sonst ist sie bald keine mehr. Und die Kirche lebt durch Vermittlung. Kommunikation – oft veranlasst durch Unverständnis und Unmut - ist der Stoff des Lebens. „Vermittlung“ – mit diesem Wort kann man Diakonie übersetzen. Diakonie war in der Antike Tischdienst, Kurierdienst und Vermittlung von Botschaften. Da wird Essen vermittelt –auch zwischen Küchentrakt und Speiseraum. Da werden Nachrichten übermittelt, da wird in Spannungen vermittelt. Vermittler der Kirche waren und sind Diakone.
Einer von sieben Diakonen der ersten Stunde war Philippus. Dazu ausgewählt wurde er in einer Krise - als Menschen unmutig wurden, zu kurz zu kommen. Das ist sehr lange her und in der Apostelgeschichte in der Bibel nachzulesen. Dort steht Philippus im Hintergrund der Schilderung. – Das ist wohl bezeichnend für Vermittlerinnen und Vermittler, deren Werk, sollte es gelingen, als Selbstverständlichkeit angenommen wird.
In Jerusalem also finden dank der Diakonie die Menschen unter dem Dach der Gemeinde Platz, die von weither kommen und am Ort fremd sind. Nahrungsmittel an Einheimische und Zugewanderte gleich zu verteilen, ist Aufgabe der Diakone. Vertrauen wird Philippus, Stephanus und den anderen Diakonen ausgesprochen und Segen zugesagt. Herz, freien Geist und Humor dafür haben sie, sonst gelänge es nicht.
Der Name Philippus (lateinisch), Philippos (griechisch) oder Philipp (deutsch) bedeutet Pferdefreund. Er, der Diakon Philipp, ist vielleicht kein geborener Jerusalemer und vielleicht kann er sich deshalb in Menschen hineinversetzen, die sich umstellen müssen, um ihr Leben neu aufzubauen. Lange kann Philipp nicht in Jerusalem bleiben, denn die Gemeinde wird verfolgt und viele fliehen. In einer Nachbarstadt finden sie sich wieder zusammen. Philipp tritt nun öffentlich auf, erklärt Jesus und vermittelt seinen Glauben. Er widmet sich Kranken. Wegen mancher Heilung wird er bewundert. Seine Kompetenzen sind fraglos anerkannt. Als einer der städtischen Autoritäten mit dem Wunsch zu Philipp kommt, Kompetenzen abzukaufen, lehnt Philipp ab. Leichtfüßig und mit Stehvermögen - so erscheint er mir. Ein Mensch der Kirche, wie er ihr gut tut.
Hannah Becker, Pfarrerin, Cecilienstift
Wort aus der Kirche von Pfarrerin Hannah Becker