Lichtergottes- dienst

06. Jan 2012

Gut besucht war der Gottesdienst zu Epiphanias in der Kirche St.Petri in Thale

Ganz im Zeichen der Lichter stand der Epiphaniasgottesdienst in der Kirche St.Petri in Thale. Meditative Texte und Lieder wechselten in der stimmungvollen Atmosphäre des nur durch Kerzen erleuchteten Raumes ab.

"Seit vielen Jahren ist es eine gute Tradition, dass wir am 6. Januar um 17 Uhr in dieser Kirche zusammenkommen – Musik hören – Texten nachsinnen gemeinsam singen. In den vergangenen Jahren waren Chor und Bläserchor dabei – in diesem Jahr wollen wir unseren Lichtergottesdienst anders gestalten – mit Gesängen aus Taizé.
Noch sind wir im Weihnachtsfestkreis - Christfest – das Fest der Gegensätze – der Reichen und der Armen – der Glücklichen und der Unglücklichen.
Und deshalb haben wir uns jetzt versammelt im Namen Gottes, der sich nicht schämte, ein kleines Kind zu werden; im Namen des Sohnes, der wie jedes Kind mit einem Schrei das Licht der Welt erblickte und im Namen des Heiligen Geistes, der versprochen hat, bei uns zu sein in der Nacht und am Morgen und an jedem neuen Tag.
Fest der Heiligen drei Könige - Epiphanias – Fest der Erscheinung – wir haben neu erfahren: Gott ist Mensch geworden, damit wir menschlicher werden. Er gibt sich zu erkennen in Gedanken, die weiterhelfen, in Worten, die befreien, in Taten, die verbinden – wir hoffen auf Mut zum Leben – auf Hoffnung für Traurige – auf Phantasie für Fröhliche. Hilfe erwarten wir von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat und bewahrt", sagte Pastorin Ursula Meckel in ihrer Begrüßung.

Weitere Texte des Gottesdienstes von Pastorin Ursula Meckel  finden Sie hier:

1.Taize:

Eingeladen haben wir dazu Taizé-Gesänge miteinander zu singen und zu beten.
Taizé ist zunächst der Name eines Ortes in der Mitte von Frankreich. Hier entstand eine ökumenische Bruderschaft, die besonders durch eine internationale Jugendarbeit über Landesgrenzen und auch über konfessionelle Grenzen hinweg aktiv ist.
Taizé ist mit einem Namen ganz eng verknüpft: Roger Schütz. Er kommt aus der französischen Schweiz, ist von der Konfession her schweizerisch reformiert und der Gründer dieser Bruderschaft.
1940 ist er fünfundzwanzig Jahre alt. Ein Weltkrieg zerreißt Europa. Seit mehreren Jahren trägt er sich mit dem Gedanken, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen, die sich der Versöhnung widmet.
Im südburgundischen Dorf Taizé steht ein Haus zum Verkauf - zwei Kilometer von der Demarkationslinie zwischen der unbesetzten und der von den Deutschen besetzten Zone entfernt.
Von 1940 bis 1942 nimmt Frère Roger in seinem Haus politische Flüchtlinge auf. Dreimal am Tag betet er allein in einem kleinen Gebetsraum, wie es später die Gemeinschaft beibehalten wird.
1949 verpflichten sich die ersten sieben Männer zum Leben in Ehelosigkeit, Anerkennung des Dienstamts des Priors und geistiger wie materieller Gütergemeinschaft.
Mit den Jahren wächst die Gemeinschaft, der sich seit 1969 auch Katholiken anschließen können. Heute gehören ihr neunzig Männer aus etwa fünfundzwanzig Nationen an von denen etwa ein Drittel in Elendsvierteln auf der ganzen Welt lebt.
Die Gemeinschaft will erklärtermaßen keine eigenständige Bewegung sein. Die Brüder sehen ihre Aufgabe darin, neue Horizonte für Kirchengemeinden zu eröffnen, und ermutigen die Menschen immer, sich auch in den Gemeinden vor Ort zu engagieren.
Taizé selbst ist keine eigene Kirche - keine eigene Konfession. Taizé legt Wert darauf, dass die Brüder ihre Konfession behalten, auch wenn Sie dem Orden beitreten.

Von ihrer Existenz her ist sie Zeichen der Versöhnung zwischen Christen, die unter sich gespalten sind, und zwischen Völkern, die gegeneinander stehen.
Es bestehen sehr enge Verbindungen zu praktisch allen Konfessionen in Europa, dem Papst, den orthodoxen Patriarchen und anderen Kirchenführern.
Um das Ziel der Versöhnung unter den Christen mit Leben zu erwecken, reisen die Brüder in viele Länder der Erde und bemühen sich dort auch um ganz praktischen Dienst am Nächsten.
Um diesem Ziel näher zu kommen, treffen sich Woche für Woche manchmal viele tausend Menschen – vorwiegend Jugendliche - aus ganz Europa in Taizé selbst oder bei einem großen Europäischen Treffen um miteinander zu beten, Gottesdienst zu feiern oder sich in Diskussionen über den Glauben und die Kultur auszutauschen.
Ein Mittel ist immer die Einfachheit, die Schlichtheit, die Konzentration auf das Wesentliche. Das betrifft sowohl das Leben in Taizé, als auch die Gesänge, die Gebete.

Bekannt sind die charakteristischen Gesänge, die in vielfacher Wiederholung gesungen werden: einstrophig, kurz, in schlichtem oder gar einfältigem Satz, oft vierstimmig oder als Kanon.
Sehr viele Lieder kann man in verschiedenen Sprachen singen.
Auch in unseren Gottesdiensten kommen sie immer wieder vor – Kyrie ... Meine Hoffnung und meine Freude ... Laudate omnes gentes ...

2. Magnificat:

 Magnificat – der Lobgesang der Maria – ein großartiges Lied aus der Bibel – ein Text von ungeheurer Kraft. Mutige Sätze stehen darin – gesprochen von einer Frau, die in unseren evangelischen Kirchen meist nur wenig Beachtung findet: Maria, die Mutter Jesu.
Sie stellt infrage, was scheinbar fraglos gilt. Eine junge, unbedeutende Frau aus dem Volk. Sie hat das Wesen Gottes erkannt. Dazu brauchte sie keine Priester und keine Politiker – keine irgendwie hochgestellten Menschen. Aus einer inneren Freiheit heraus spricht sie die Wahrheit. Sie hat keine Angst vor Menschen. Mit dem was sie sagt, ehrt sie allein Gott.
Ich frage mich: Wenn es ernstgenommen wird, ist ein solches Lied dann erträglich? Darf solch ein Gesang zugelassen werden? Sie behauptet: „Er stürzt die Mächtigen vom Thron“ und „er lässt die Reichen leer ausgehen“ .
Wollen wir das überhaupt? Ein Revolutionslied?
Und: Auf welcher Seite stehen WIR eigentlich in diesem Lied? Wozu zählen wir uns? Zu den Reichen? Zu den Armen? Beides? Sind wir die Niedrigen, die erhöht werden – oder sind wir die Hohen, die erniedrigt werden?
Lassen wir uns das ernsthaft sagen, dass die bestehende Ordnung eben nicht in Ordnung ist?
Eigentlich ist es ein Wunder, dass dieses Lied erhalten blieb. Anfangs – als die Christen selber noch die Armen und die Verfolgten waren, da haben sie dieses Lied als das ihre genommen – da haben sie sich damit getröstet in den Häusern, in denen sie sich vor den römischen Soldaten versteckten.
Aber der Gebrauch des Liedes hat sich geändert. Das Christentum wurde Staatsreligion – und im 4. Jahrhundert lässt Konstantin der Große über die Geburtsgrotte – dieses ärmliche Loch, in dem Jesus geboren wurde – eine gewaltige Kathedrale bauen. Keiner sollte merken, wie niedrig und bescheiden das alles einmal angefangen hatte. So entstand in Bethlehem eine gewaltige Anlage, die immer wieder ausgebaut wurde.
An die niedrige Herkunft des Gottessohnes wollte niemand mehr erinnert werden. Damit ließ sich kein Staat machen.
Was konnte dann noch heißen: „Er stößt die Mächtigen vom Thron?“ Wer wollte da noch singen: „Er erhebt die Niedrigen.“? Das war ja sozusagen erfüllt. Die Christen waren oben – sie hatten das Sagen.
Aber aus der Geschichte wissen wir, dass dies nur für wenige galt. Es gab weiterhin schreiendes Unrecht in der Welt – es gab Niedrige und Arme – Menschen, die auf den machtvollen Arm Gottes warteten – und doch nur den machtvollen Arm der Regierungen spürten.
Und immer wieder entdeckten sie, die unten waren, das Loblied der Maria als ihr Lied. Es stand nun einmal in der Bibel. Immer wieder wurde es zum Trost für Entrechtete, zum Trost auch für diejenigen, die durch die Kirche unterdrückt wurden.

3. Christus, dein Licht:

Ohne Licht kein Leben – ohne Liebe kein Leben – ohne Hoffnung kein Leben.
Immer wieder haben Menschen sich an Gott gewandt mit ihren Klagen und Tränen, Anklagen und Vorwürfen – und mit ihren Hoffnungen. Und: Sie sind nicht enttäuscht worden. Manchmal hat es lange gedauert, bis eine unerträgliche Situation zu Ende ging – zu lange, bis die Bösen bestraft wurden – endlos, bis Unrecht endlich Unrecht genannt werden konnte.
Ohne Hoffnung wäre das nicht durchzuhalten gewesen – ohne Hoffnung verschwinden die Kräfte, erlahmen auch Starke – Hoffnung gibt Mut und setzt Kräfte frei.
Manchmal ist sie zunächst ganz klein – die Hoffnung – wie ein Kind – gefährdet – verletzlich – angewiesen auf Fürsorge - dann kann sie wachsen.
Gottes Veränderung der Welt kündigt sich nicht gewaltig an – nicht mit ungeheurem Kraftaufwand oder der Demonstration von Macht. „Ein Kind ist uns geboren...“ – so beginnt das neue Leben. Mit Hoffnung und mit Freude.

 

Thale
Thale

Lieder aus Taize im gut besuchten Lichtergottesdienst in Thale 

 

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