Ditfurt

15. Sep 2012

Mit einem Familiengottesdienst wurde das diesjährige Gemeindefest in Ditfurt eröffnet

"Feuer und Flamme" - unter diesem Motto stand der Familiengottesdienst zu Beginn des Gemeindefestes in Ditfurt. Ob bei dem mitreißenden Spiel des Bläserchores unter Leitung von Herrn Sinna, den beschwingten Klängen des Chores oder dem von Kantorin Christine Bick angeleiteten "Hallelu, halleluja" der Gemeinde -  die Ditfurter waren Feuer und Flamme für das vom Gemeindekirchenrat und vielen anderen ehrenamtlichen Helfern vorbereitete Gemeindefest.

Gemeindepädagogin Jona Randel und Superintendentin Angelika Zädow hielten zum Thema "Segen" eine Dialogpredigt (siehe unten), die Kinder gestalteten die Liturgie und im Anschluss an den Gottesdienst ließen es sich alle bei Kaffee und Kuchen, Musik, einem kleinen Flohmarkt, Spielen für die Kinder gut gehen, und auch einige Erwachsene probierten die Hüpfburg aus.

 

Dialogpredigt zum Thema "Segen"

(Jona Randel (R) und Angelika Zädow (Z) kommen von zwei Seiten aufeinander zu. Jona Randel  hat eine Kappe auf dem Kopf)

R: Hallo Frau Zädow!

Z: Hallo Frau Ra…. (stutzt, dann empört) Sagen Sie mal: Geht’s Ihnen gut????

R: Ja, wieso?

Z: Wir haben G o t t e s d i e n s t – und Sie haben ne Kappe auf!

R: Na und? Sie haben doch auch nen roten Schal um!

Z: Der ist wenigstens liturgisch korrekt. Rot ist schließlich die Farbe des Heiligen Geistes.

R: Aber wir sind in der Trinitatiszeit – schon vergessen?

Z: Pah, der Heilige Geist passt immer…

R: Und meine Kappe passt zum Predigttext.

Z: Soso. - Was ist denn dran?

R: 4. Buch Mose, der aaronitische Segen.

Z: Och nee, den hörn wir doch in jedem Gottesdienst am Ende.

R: Ich find das spannend! Deshalb hab ich auch die Kappe auf.

Z: Das muss ich nicht verstehen oder? - Aber wie ich Sie kenne, werden Sie es mir bestimmt erklären…

R: Natürlich…

Z: Und..? Ich – wir alle - hören… Vom Segen und der Kappe…

R: Jetzt mal im Ernst! Gleich im ersten Satz: Der Herr segne dich und behüte dich“ – behüten – merken Sie was?

Z: Nee.

R: Behüten – ich trage eine Kappe. Die Kappe auf meinem Kopf schützt mich vor Regen und vor Kälte auch. So ähnlich ist für mich der Segen Gottes. Er soll mich schützen und bewahren.

Z: Ah! So gesehen haben Sie Recht. Aber ich würde da noch einen Schritt weiter gehen. Gottes Segen soll nicht nur behüten, er behütet und beschützt tatsächlich. Im Hebräischen steht da übrigens auch nicht die Wunschform, sondern der Indikativ. Jeder Mensch ist gesegnet.

R: Ja, das kommt meinem Verständnis von „behüten“ ganz nahe. Unsichtbar ruht der Segen auf meinem Leben und umfängt alle Höhen und Tiefen.
Dazu passt auch der nächste Satz: „Der Herr lasse Sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.“ Dieser Satz beschreibt sozusagen die Folge, die Konsequenz des Segens.

Z: Aus dem Segen folgt das Leuchten??

R: Ich denke da an die Erzählung von Mose, dessen Angesicht leuchtete, nachdem er die Stimme Gottes gehört hatte.

Z: Sie meinen, die Gewissheit, dass ich von Gottes Segen umfangen – behütet – bin, kann etwas verändern.

R: Genau! Der Gedanke begeistert mich: keine Situation, keine Zeit gibt es, an der Gott nicht an meiner und an Ihrer Seite steht!

Z: Ja, und noch was: Gottes Angesicht – wenn Gott einen Menschen ansieht, dann ja immer mit einem Blick der Güte und der Liebe. Und dieser Blick sagt jedem: Du bist von Gott angenommen, geliebt – so wie Du bist. Niemand kann jemals aus Seiner Gnade herausfallen…

R: womit wir wieder beim Segen und behüten wären..

Z: Moment, das geht mir zu schnell. Es geht ja noch weiter: „Der Herr wende Sein Angesicht zu dir und gebe dir Frieden.“

R: aber nicht den menschlichen Frieden,

Z: sondern den Frieden des Herzens, den inneren Frieden, ja. Aber für mich fängt es da erst an. Gott legt mit Seinem Segen die Grundlage für unser Leben. Daraus folgt auch ein Anspruch, finde ich. So wie es das Motto eines ökumenischen Kirchentages in Berlin formulierte „Ihr sollt ein Segen sein“.

R: Also geht es darum, den Frieden zu schaffen…
Hm, das ist aber gar nicht so leicht.
Wenn ich daran denke, wie oft es zwischen Menschen rappelt: in der Familie, unter Freunden und Kollegen und in der Kirche auch!

Z: Leicht sicher nicht.
Und doch: Ich habe das erlebt, dass Frieden zu schaffen ist, wenn Menschen sich der Liebe Gottes und des Segens, den Er ja allen schenkt, bewusst werden. Wenn sie gemeinsam Feuer und Flamme sind für die Sache des Friedens.

R: Klar, das ist natürlich noch ein wichtiger Gedanke. Der Segen ist nicht nur persönlicher Zuspruch für mich – allen anderen, denen ich begegne, gilt er genauso! Aber: wo war Du das mit dem Frieden?

Z: Sie wissen vielleicht, dass ich schon oft in Taize war…

R: Ja!

Z: Sie wissen auch, dass sich dort jede Woche Tausende von Menschen aus allen Kontinenten dieser Erde. Manche aus Gebieten, die in der Heimat in erbittertem Kampf miteinander leben, die groß geworden sind mit Feindvorstellungen und Vorurteilen. In den Gebeten und Gesprächsgruppen stellen sie erstaunt fest, dass diese Vorstellungen und Vorurteile nicht wirklich wichtig sind, weil es etwas zutiefst Verbindendes zwischen allen Menschen gibt: die Liebe und den Segen Gottes. Und dass der Glaube an ihn zu einem Frieden des Herzens führt, der es unmöglich macht, den anderen zu hassen.
Als vor vielen Jahren der Krieg in Jugoslawien tobte, sagte ein Mädchen aus Zagreb über die jungen Leute aus Serbien: „Sie sind aus denselben Gründen hier wie ich: um zu beten, um den Weg Gottes zu suchen. Darum können wir uns gemeinsam auf die Suche machen. Gott sagt: Hört auf, euch zu hassen. Was wäre denn, wenn ich ein Stück weiter – in Belgrad statt in Zagreb geboren wäre?“ Solches Denken wünsche ich mir auch heute – bei den provozierenden Christen zur Zeit vor allem in den USA genauso wie bei den Gewalt bereiten Muslimen gerade besonders in der arabischen Welt.

R: Ja, das sollte vor allem ein Ansporn. Wenn Frieden dort wachsen kann, wo wirklich Feindschaft ist, dann können wir das in unserem vergleichsweise behüteten Ditfurt und in unseren Gemeinde ja wohl auch.

Z: Jetzt sind wir wirklich wieder am Anfang: behütetes Ditfurt. Wir alle unter dem Segen Gottes.

R: Fehlt jetzt nur noch einer die Kappe!

Z: Hä?

R: Na Ihnen – hier.

Beide: Und der Segen Gottes, der die ganze Menschheitsfamilie umspannt, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn. Amen.

Ditfurt
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Fotos: Christine Bick und Kirchenkreis Halberstadt 

 

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