38 Grad, Sonne, blauer Himmel

19. Aug 2012

Das war der dies- jährige Bonhoeffertag in Friedrichsbrunn

38 Grad, Sonne, blauer Himmel - ein untrügliches Zeichen für den Bonhoeffertag, der zum 15. Mal in Friedrichsbrunn stattfand.

Familie Zehnpfund bereitete in bewährter Weise ein wunderbares Ambiente unter dem Schatten der großen Bäume im Garten des Bonhoefferhauses - und viele waren der Einladung zum Gottesdienst gefolgt.

Anknüpfend an ihre Predigt im vergangenen Jahr zum Thema Taufe, konnte Pastorin Ursula Meckel Marlene und Klemens Hauck als Taufkinder begrüßen.

Der Bläserchor Thale mit Verstärkung aus dem ganzen Kirchenkreis, Martin und Birgit Ecke (Lesungen) sowie Sebastian Beutel, Günter Ebbrecht und Gemeindekirchenratsvorsitzender Stefan Kiehne (Fürbitten) gestalteten die Liturgie. Pastorin Ursula Meckel und Superintendentin Angelika Zädow hielten eine zweiteilige Dialogpredigt (unten zu lesen).

Nach einer Stärkung mit Köstlichkeiten vom Grill, startete das bunte Familienfest mit Spielen wie vor 100 Jahren, der Zauber-Clown-Show mit Pelle Purz und vielem mehr. Parallel dazu die Ausstellung "Farben der Schöpfung" von Isolde Gorsboth.

Zum Thema „In weiter Ferne, so nah. Meine Großeltern Rüdiger Schleicher
und Ursula, geb. Bonhoeffer“ referierte der Historiker Dr. Tobias Korenke aus Berlin in der Bonhoefferkirche lebendig und interessant. Die sehr gute Mischung von persönlichen Eindrücken, historischen Reflexionen und heiteren Momenten überzeugte.


Den meditativen und zugleich ermutigenden Abschluss bildete eine Stunde mit Texten und Musik mit Angelika Zädow, Sopran, Ursula Meckel, Meditationen und Kirchenmusikdirektor Gottfried Biller, Klavier.

Ein herzliches Dankeschön an Familie Ecke, die alles vorbereitete, die Kirche schmückte und nun alles wieder aufräumt!

Dialogpredigt in zwei Teilen von Pastorin Ursula Meckel und Superintendentin Angelika Zädow

Dialog 1:

Meckel: Liebe Gemeinde, haben Sie es bemerkt? Das schöne Taufgeschirr hier vorne auf dem Altar?
Zädow (flüstert): Pst, Ursula, Du hast die falsche Predigt. Das Taufgeschirr war im letzten Jahr – 2011.
Meckel: Liebe Angelika, keine Sorge, das weiß ich genau. Im letzten Jahr haben wir das Taufgeschirr vorgestellt und unsere Predigt beschlossen mit dem Wunsch, dass es auch Taufen geben möge.
Zädow: Eben, und jetzt fängste schon wieder damit an. Das geht doch nicht.
Meckel: Und ob das geht. Manchmal werden Wünsche nämlich wahr. In diesem Jahr wird getauft, und zwar heute und hier: Zwei Kinder aus der Kirchengemeinde Friedrichsbrunn – Marlene und Klemens.
Zädow: Oh wie schön. Das ist ja super! Gleich mal überlegen, was wir ihnen für Taufsprüche mitgeben könnten. Vielleicht die Tageslosung vom Geburtstag – oder nein, warte mal: Wie wäre es mit dem Wochenspruch von heute, den habe ich parat: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ (1.Petrus 5,5)
Meckel: Na, ich weiß ja nicht, ob das den Eltern gefallen würde – und später erst den Kindern. Also hochmütig sein ist natürlich nicht erstrebenswert, so einen kann niemand leiden. Aber demütig – das ist auch nicht gerade etwas, wonach sich jemand sehnt – oder was man jemandem wünscht. Demütig – das klingt so nach untertänig - das sind welche, auf denen alle anderen herumtrampeln können – also das wünsche ich niemandem.
Zädow: Nein, natürlich nicht. Und ich auch nicht. Aber denke doch mal nach, was es bedeuten könnte, demütig zu sein – und zwar demütig vor Gott.
Es könnte heißen: Ich weiß, dass ich das Wichtige im Leben geschenkt bekomme und mir nicht erarbeiten/verdienen kann oder muss: Die Liebe der Eltern und der Familie, Freundschaft, Vertrauen können, Geborgenheit erleben, Glauben - …..
Meckel: Das geht sogar noch weiter in der Schule und später im Beruf. Auch da ist ja vieles ein Geschenk. Natürlich muss ich dafür auch arbeiten, aber manches fällt einem Menschen einfach zu – jede/r hat so seine Fähigkeiten und Begabungen – es sind nicht immer unbedingt die Fleißigsten, die die besten Zensuren nach Hause bringen. Deshalb ist es auch so ärgerlich, wenn Leute hochmütig werden und glauben, sie verdanken alles was ihnen gelingt sich selbst.
Zädow: Das ist richtig …. und weißt Du, was mir noch auffällt: In dem zugegeben altmodischen Wort „Demut“ steckt ja das Wort „Mut“ – und ich glaube, es gehört Mut dazu demütig zu sein – also zu wissen: Mein Leben und meine Begabungen sind Geschenk – und ich freue mich darüber und nutze sie gern und setze mich ein und strenge mich an – aber ich muss nicht damit angeben. Ich kann sogar SanftMUT zeigen ohne mir was zu vergeben.
Meckel: Stimmt, ich muss mich nicht größer machen als ich bin – das ist auf die Dauer auch viel zu anstrengend und außerdem gelingt es sowieso nicht.
Und – weil wir gerade hier sind – im Garten des Bonhoefferhauses: Dietrich Bonhoeffer gehörte zu den Menschen, die es nicht nötig hatten, mehr sein zu wollen als sie waren.
In seinem Gedicht „Wer bin ich?“ nimmt er das Thema zumindest indirekt auf - wie er von anderen gesehen wird und wie er sich selbst sieht und fasst es schließlich zusammen in den Worten: „Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. / Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott.“
Ein überlebender Mithäftling beschrieb ihn mit den Worten: „Immer bewies Bonhoeffer Haltung. Er war ganz Bescheidenheit und Freundlichkeit und verbreitete um sich eine Atmosphäre von Dankbarkeit, dass wir leben.“
Das ist schon bewundernswert.
Zädow: Genauso wie das, was er über das Walten Gottes in der Geschichte geschrieben hat:
"Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen.
Das klingt doch demütig – und zugleich richtig mutig.
Also ist der Wochenspruch gar nicht so abwegig, wie er beim ersten Hören klingen mag: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“
Meckel: Da hast Du recht und er gefällt mir auch und sicher wird er mich noch eine Weile begleiten – und andere vielleicht auch.
Allerdings wird es nicht der Taufspruch für die beiden Täuflinge heute – die Eltern haben nämlich für ihre Kinder selbst Bibelverse ausgesucht – wir werden sie nachher hören.
Zädow: Na Du bist gut – aber sicher werden auch diese Sprüche zum Ausdruck bringen, was sie ihren Kindern wünschen und worauf wir alle uns verlassen können: Dass wir von guten Mächten umgeben sind und Gott mit uns geht.

Dialog 2

Meckel: „Der Wind pfeift leise vor sich hin: Du bist ein Gotteskind.“ Ein nettes Lied, das Du da ausgesucht hast.
Sag mal, was bedeutet das eigentlich, ein Gotteskind zu sein? Sind die besonders schön, besonders freundlich, besonders beliebt, besonders erfolgreich, besonders reich?
Zädow: So kann man das nicht sagen, finde ich. Es kommt auf etwas ganz anderes an: Gotteskinder sind Menschen, die von Gott geliebt werden. Und: unser Gott liebt verschwenderisch. Er gießt seine Zuneigung über alle aus. Keinen Menschen gibt es auf diesem Erdboden, dem Seine Liebe nicht gilt. Wir alle sind also unendlich reich: durch Seine Güte und Liebe. Die Frage ist, ob wir etwas damit anfangen können – mit Seinem Geschenk – ob wir selber etwas ausstrahlen können davon. Ob wir davon weiter geben können an diejenigen, die uns begegnen – übrigens gerade an die, die wir weniger verstehen.
Aber a pro pos reich – was ganz anderes: Ich habe vom Kirchenkreis 50 € bekommen und soll damit etwas Sinnvolles machen. Nun wird man von 50 € ja nicht gleich reich, aber vielleicht freut sich jemand darüber – der oder dem würde ich den Schein schenken. Wer hat Interesse?
(viele melden sich)
Aber erst mache ich noch etwas damit. (Zerknittert ihn) – Will ihn immer noch jemand haben?
(viele melden sich)
Moment noch …(schmeißt ihn auf den Boden und trampelt darauf herum)
Meckel: Was soll das denn?
Zädow: Will ihn immer noch jemand?
(Gemeinde: JAAAA)
Meckel: Was das soll??? Was willst Du damit sagen oder zeigen oder beweisen?
Zädow: Ich wollte versuchen, etwas klarzustellen. Was immer auch ich mit dem Geldschein gemacht habe, er hat nichts von seinem Wert verloren. Es waren und es sind 50 €.
Meckel: Ah, ich glaube zu verstehen. Es passiert oft im Leben, dass wir abgestoßen, zu Boden geworfen, zerknittert, und in den Dreck geworfen werden. Das ist nicht schön, aber es passiert. Und manchmal fühlen sich Menschen dann, als ob sie wertlos wären – wenn sie zu alt sind oder krank oder verlassen oder verachtet oder einfach nur unglücklich..
Zädow: Genau! ABER: Egal was passiert ist, oder was passieren wird, ein Mensch wird niemals an Wert verlieren. Schmutzig oder sauber, zerknittert oder fein gebügelt, ein Mensch bleibt immer unbezahlbar.
Der Wert unseres Lebens wird nicht durch das bestimmt, was wir tun oder wen wir kennen, sondern dadurch wer wir sind. Und Gott sagt uns – jede/r von uns:
„Du bist etwas Besonderes vergiss das NIEMALS!“
Meckel: Ein schöner Gedanke – nicht immer wieder die Probleme und Sorgen zu zählen, sondern das Erfreuliche. Und die Gewissheit zu haben: Ich kann alte Wege verlassen und neu beginnen – nicht nur allein, sondern zusammen mit anderen und dann wird immer wieder passieren, dass sich Himmel und Erde berühren.
Zädow: Wie in dem Lied, das wir gleich singen werden. Aber vorher muss noch ein Problem geklärt werden: Was mache ich denn jetzt mit dem 50-€- Schein? Für wen soll ich mich entscheiden?
Meckel: Da habe ich eine Idee – Du sollst doch etwas Sinnvolles damit machen? Wir sammeln nachher für die Reparatur der Kirchturmuhr hier in Friedrichsbrunn – das wäre doch schon mal ein guter Anfang – um nach einem Blick auf die Kirche zu wissen, was die Stunde geschlagen hat. 

AMEN!
 

BT
BT

Fotos: Martin Saß

Kontakt

Evangelischer Kirchenkreis Halberstadt

+49 (3941) 57 17 38

kirchenkreis.halberstadt@ekmd.de