Ankunft: Gleis 24, Uhrzeit offen

01. Dez 2012

Eine adventliche Andacht von Pfarrer Peter-Michael Schmudde aus Wernigerode

 Ankunft: Gleis 24, Uhrzeit offen …

Ankunft – so heißt das geheimnisvolle Wort, das für die meisten von uns nach Glühwein schmeckt und die vom Plätzchenduft durchwehten Küchen ins unbestechliche Geruchsgedächtnis bringt und das Dir und mir die Kindheit mit tiefem Schnee und mit mindestens ebenso tiefer Sehnsucht im Herzen aufweckt, wie das sonst kaum ein Wort kann: ADVENT!

Ankunft, Advent – ein Zauberwort! Wie schnell er wirkt, dieser Zauber – wer weiß das? Und ob er auch in diesem Jahr bei Dir wirkt, kannst Du nur selber erleben.

Also: Jetzt kannst Du losgehen, raus in die Dunkelheit des späten Jahres: Geh! Mit dem Duft des Glühweins in der Nase und mit Deiner Plätzchenkinderzeit im Herzen! Der große Bahnhof ist vorbereitet!

Den Weg kennst Du! Die glitzernden Sterne und Lichterbäume, die vierkerzigen Kränze und die zerrenden Kinder mit dem goldenen Licht in den Augen an Deiner Hand bringen Dich hin!

Ankunft: 24.12., Uhrzeit offen, vielleicht Verspätung - kein Wunder bei dem Wetter – und Du überlegst, womit Du die Wartezeit füllst. Andere machen das auch: Rennen vom Bahnsteig weg, kommen wieder, haben immer neue, immer größere Tüten unter dem Arm und haben die große Halle viel zu zeitig betreten. So wie Du. Vielleicht wegen der quengelnden Kinder, vielleicht aber auch, weil das Warten zusammen viel schöner ist, weil die plätzchenduftende Glitzerzeit Deinen Blick hebt - weg von all dem, was noch zu tun wäre und jetzt ruhig liegenbleiben kann. Vielleicht auch von dem, was sonst immer weh tut und sich jetzt im Dampf einer Glühweintasse in Vorfreude auflöst. Manche - die meisten - bleiben mit Dir bis zum großen Bahnhof.

Ankunft: 24.12., Verspätung möglich. Und Du schaust auf die Uhr – ein bisschen Alltag wäre vielleicht doch noch zu schaffen? Hauptsache, Du bist zur rechten Zeit wieder hier auf Gleis 24 und kannst den hohen Gast gebührend begrüßen? Jetzt geh ich nicht mehr weg, denkst Du, jetzt bleib ich da!

Schön, dass Du es geschafft hast, Dir ein paar von Deinen Lieben einzuladen und Dein Haus und Deine Seele zu schmücken für das Fest der Feste – man müsste allerdings nochmal überlegen, ob das Essen stimmt, ob Du genug dafür gesorgt hast, dass sich alle wohlfühlen, besonders der, der da kommt auf Gleis 24 – Ankunftszeit noch nicht ganz klar, Bahnsteigsänderung nicht ausgeschlossen?

Die Blasmusik und all die Chöre haben geprobt bis zum Abwinken, die Festredner stehen bereit und alle freuen sich. Jetzt gucken sie nervös auf die Uhr. Ankunft: 24.12., Gleis 24 – Verspätung eingeplant. „Schmück ihm Dein Haus und gib ihm stets in Deinem Herzen Ruh ...“ Bist Du wirklich vorbereitet – oder sogar ruhig im Herzen? Schaust auch Du nervös auf die Uhr? Und ärgerst Dich über die Verspätung, weil man ja noch ...?

Eine Hand legt sich auf Deine Schulter: „Du, ich bin schon da!“ - Typisch, denkst Du …

Ich freue mich mit Euch auf den „großen Bahnhof“, den wir vorbereitet haben: Für IHN und eben auch für unsere Herzen, Sinne und Seelen, die auf IHN warten! Ich freue mich auf Gottesdienste, in denen Kinderaugen strahlen vom goldenen Licht, das am Heiligen Abend über Gottes neuem Anfang mit uns strahlt! Wir kommen nicht zu spät, denn während wir auf IHN warten, ist ER schon längst da.

Pfarrer Peter Michael Schmudde

Pfarrer Schmudde
Christuskirche Wernigerode

Fotos: privat

Kontakt

Evangelischer Kirchenkreis Halberstadt

+49 (3941) 57 17 38

suptur@kirchenkreis-halberstadt.de