08. Nov 2011
Im Rahmen seiner Harz-Herbst-Lesereise war Friedrich Schorlemmer zu Gast in Wernigerode
Zu Beginn der Ökumenischen Friedensdekade war am Montagabend der Wittenberger Theologe Gast der St. Johannis Gemeinde in Wernigerode.
Pfarrerin Dr. Heide Liebold und der Direktor des Lothar-Kreyssig Ökumenezentrum, Dr. Döring, konnten im gut gefüllten Martin-Luther-Saal rund 150 Besucher begrüßen, die gespannt den Ausführungen des prominenten Gastes lauschten.
Einem Buchtitel Friedrich Schorlemmers folgend „Wohl dem der Heimat hat“ begeisterte der Autor in einer mitreißenden Art mit Erzählungen aus seinem reichen Erfahrungsschatz. Ein Gedankensplitter reihte sich an den anderen und so entstand ein Heimatbegriff der dem Menschen „geerdete Sicherheit“ geben kann für die Verantwortung im Garten Gottes.
Ausgehend von sinnlichen Heimaterfahrungen wie Pflaumenmus, Plätzchen, Bilder die lange hängen oder Liedern wurde es schnell tiefgründig und grundsätzlich.
Wenn Heimat auch die Erinnerung sei an alles, was man ist und hat, ohne dass es mir gehören muss, dann habe das Folgen z.B. für das Bewahrenmüssen der Schöpfung.
Dann sei die Erde wie ein Garten zu behandeln, sonst werde sie zur Wüste.
Als negatives Beispiel diente die Ausbeutung der Meere vor Ostafrika.
Verantwortlich leben, auch im Sinne von Albert Schweitzer, hieße: „ Ich bin Leben unter Leben was leben will!“
Zum erweiterten Heimatbegriff gehöre das Verstehen von gemeinsamer Geschichte. Anhand von Jahreszahlen wurde deutlich, was wir hier leisten können:
1941 – Überfall auf die Sowjetunion
1961 – Mauerbau
1981 – 1. Friedensdekade (Schwerter zu Pflugscharen)
2001 – sogenannte Antiterrorkriege
Wir verstünden die Heimat der Menschen, wenn wir uns unsere Geschichten erzählen ohne zu bewerten. Das gelte für Deutsche und Russen genauso wie für Deutsche aus den verschiedenen Landesteilen.
Auch zu den drängenden Zukunftsfragen und der fehlenden demokratischen Kontrolle der Finanz- und Wirtschaftsmacht konnte Schorlemmer aus der Wundererfahrung der friedlichen Revolution in der DDR Mut machen. „Unüberwindlich erscheinende Zwänge ließen sich überwinden, weil wir weniger mussten als wir dachten dass wir mussten.“
Wenn wir aus unseren Erfahrungen Dinge deutlich beim Namen nennen, dann sei dies wahrhaft protestantisch.
Die gelungene Mischung aus spontan wirkender Erzählung und Lesung weckte die Neugierde auf seine Bücher, wie der Andrang nach dem offiziellen Ende am Büchertisch deutlich machte. Offen und freundlich hatte Friedrich Schorlemmer für jeden ein persönliches Wort und schrieb geduldig Widmungen.
Bericht und Fotos: Martin Saß