25. Nov 2011
Das neue Faltblatt mit Kirchenchronik ist da
Ortschronist Jörg-Andreas Altenburg und Kirchenältester Heinz Koppehel erstellten eine neues Faltblatt mit Bildern zu Kirche und Taufstein sowie einer kurzen Kirchenchronik.
Dorfgeschichte
Unser Dorf Göddeckenrode ist das westlichste Dorf des Landes Sachsen-Anhalt und wird im Jahr 13111 erstmalig erwähnt. Vermutlich ist unser Dorf aber wesentlich älter, wie ein altes Taufbecken (Herkunft ist
leider nicht bekannt) aus dem 12. Jahrhundert bezeugt. 1412 kam es durch die Verpfändung zusammen mit Wülperode an die Burg Asseburg. 1481 hatten drei Vettern von Burgdorf dort Lehn von Bischof Gebhard und Administrator Ernst erhalten.
Im selben Jahr wird ein Hohlweg erwähnt, der oberhalb des Dorfes liegt. Die Schreibweise unseres Dorfes veränderte sich im Laufe der Jahrhunderte. So wurde es im Jahr 1311 ‚Gotkenrode’, 1481
‚Godekenrode’, 1496 ‚Gößkenrode’, 1564 ‚Gödickenrode’, 1724 ‚Gettekenrote’ und heute Göddeckenrode geschrieben.
Göddeckenrode gehörte bis 1648 zum Bistum Halberstadt, das dann in ein Fürstentum überging.
Der Ort unterstand dem Amt Wülperode und gelangte 1815 an den Regierungsbezirk Magdeburg der preußischen Provinz Sachsen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort am 01.07.1950 in Dreirode (mit den Ortsteilen Suderode und Wülperode) umbenannt und erhielt erst am 01.09.1990 seinen alten Namen zurück. Ab 1961 lag der Ort unmittelbar im Grenzgebiet der DDR und war nur mit einer Sondergenehmigung (Passierschein) zu erreichen. Seit dem 01.01.2010 (nach der neuen Einheitsgemeinde) gehört Göddeckenrode zur Stadt
Osterwieck im Landkreis Harz.
Der Ort liegt im nördlichen Harzvorland am Eckergraben, nordwestlich von Osterwieck und südlich der niedersächsischen Stadt Hornburg.
Quelle: Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen
Jahrgang 1863. Beitrag zur Feststellung der Diöcesangrenzen des
Mittelalters in Norddeutschland.
Geschichte der Kirche
Die Kirche stand zunächst unter dem Patronat des Klosters Ilsenburg, dann unter dem der Grafen von Wernigerode und darauf unter dem der Dompröpste. Am 16. September 1564 und am 08. September 1589
wurde sie visitiert. Während des dreißigjährigen Krieges 1618 - 1648 wurde die Kirche durch einen Brand weitgehend zerstört.
Über ihren Neubau (1718) gibt eine Tafel außen an der Kirche Auskunft mit der Inschrift: „Burchmart, Huet Amtmann, Christoph Henr. Chrysander Past. Zachar. Schmid K. Vorsteher. Fr. Wolfg. Henr. Lof K. Väter H. Lampe u. Jac. Schrader Geschworene und die ganze Gemeinde. ‚Mit gewaltigen Kosten, unter Leitung des Pastor Chrysander, ist dieses Gotteshaus
von Grund auf neu hergestellt, 1718, 1713 begonnen.’“
„Doch fällt beim Lesen auf, dass einzelne Buchstaben durch ihre Größe hervorgehoben sind. So gibt es für diese neben ihrer Bedeutung als Buchstaben auch die von römischen Ziffern. Ordnet man sie der
rechnerischen Größe nach, so ergibt sich die arabische Jahreszahl. Es handelt sich um ein Chronogramm. Es ist eine typische Form spielerischen Versteckens einer Jahreszahl in einem Text.“2
Auch rührend ist zu lesen Chrysanders Klage am Schlusse der Rechnung. „Was ich damaliger Pastor Chrysander für viele Mühe und recht verdrießliche Arbeit bei diesem Kirchbau gehabt, wird leichtlich zu
erachten sein. Ich habe insonderheit wahrgenommen, wie sehr es dem Teufel entgegen sei und verdrieße, wenn man dem großen Gott Kirchen bauet, und solches aus starkem Widestande, den ich bald so, bald
so erfahren.“3
Im Zuge der Wiedervereinigung wurde mit ersten Spenden damit begonnen die Kirche zu sanieren. Die ev. Kirchengemeinde Göddeckenrode gehört heute zum Pfarrbereich Osterwieck.
Am 15.12.2009 wurde der Kirchturm bekrönt. Wetterfahne, Kreuz und Kugel mit Zeitzeugnissen wurden aufgesetzt.
Das Kirchenschiff ist mit einem im halben Zehneck geschlossenen Chor versehen und im Ganzen 17,50 m lang, 5,37 m breit. Die gewölbte
Decke ist aus Holz. Rechts befinden sich drei rundbogige geschlossene Fenster, links zwei. Die untere Hälfte des Turms stammt aus der
romanischen Zeit. Der Turm beherbergt zwei Kirchenglocken. Die Größte hat einen Durchmesser von 915 mm. Die Inschrift lautet: Heinrich Arens Pastor, Wilhelm Hieronymus Hecht Oberamtmann, Friedrich August
Cammerer Commissions Rath, Johann Wilhelm Felbinger Goss mich zu Halberstadt 1785. Versamlet Euch den Herren zu Ehren; Wenn meine Stimme sich last hören; Gott segne unter Euch; Gott segne diesen Gantzen Ort. Die 2. Glocke hat einen Durchmesser von 480 mm. Die
Inschrift lautet: Ich bin durch das Feuer geflossen, Friderich Brackenhoff hat mich gegossen in Halberstadt ANNO 1771. Eine weitere dritte Glocke wurde eingeschmolzen und vermutlich zu Gewehrkugeln verarbeitet. Der
Altar ist aus dem Jahr 1720 und hat eine Holzschnitzerei mit Ornamenten, vorwiegend Akanthusranken, von Georg Froböse aus Hornburg. Diese zeigt unten die Figuren der vier Evangelisten mit ihren Symbolen Löwe, Adler, Mensch und Stier, diese verweisen auf das Evangelium. Oben wird Moses mit den Gesetzestafeln und Luther in der Tracht der Reformatoren, der Schaube, dargestellt.
Das Taufbecken ist aus Bronze und trägt die Inschrift: „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das
Reich Gottes“. ..Ein alter romanischer Taufkessel aus Kalkstein, vermutlich aus dem 12.Jahrhundert, kreisrund, ohne Inschrift befindet sich vor der Kirche. Ein sechsarmiger Kronleuchter aus Messing, mit einem
doppelköpfigen Adler oben darauf, stammt aus dem Jahr 1621. Das aus Messing bestehende Kollektenbecken ist gestiftet von D. Kirhoff im
Jahr 1760. Es steht auf einem geschnitzten dreifüßigen Holzuntersatz, mit der Inschrift: D.K.H. 1760. Die noch vorhandene Kirchenuhr stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert.
2 Quelle: Tageszeitung Volksstimme v. 2.9.1999
3 Quelle: Chronik v. Pastor Dr. Otto Gottlob Borchert 1889
Geschichte der Orgel
Vor dem Neubau der Orgel am 15. Januar 1888 durch die Orgelbaufirma Eduard Hülle in Halberstadt, hat es in der Kirche zu Göddeckenrode schon einmal eine Orgel gegeben.
Sie wurde wie die Altarleuchten im Jahr 1724 angeschafft. In einem
Gemeinderechnungsbuch wird notiert, das im Jahr 1819 die Orgel für 3
Groschen gestimmt wurde.
1887 war die alte Orgel beschädigt und konnte ein Jahr später verkauft werden. Im Juli 1887 wurden vom Gemeindekirchenrat erste Verhandlungen mit der Firma Hülle aufgenommen. Am 15. Januar 1888
beschließt der Gemeindekirchenrat zu Göddeckenrode den Orgelneubau. Die Kosten werden durch Umlage im Dorf zusammengetragen.
Am 12. Februar 1888 wird die Orgelweihe vorgenommen. Aus der Gottesdienstordnung ist zu entnehmen, dass die Gemeindemitglieder zuerst ohne Orgel den Choral sangen „ Ach bleib mit deiner Gnade“, danach folgte Gebet und Lesung und dann der Choral „ Alles ist an Gottes Segen“. Anschließend besichtigte der Pfarrer Borchert die Orgel und weihte sie ein. Jetzt erst konnte das neue Werk ertönen, die
Gemeinde sang „ Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Fürbitte, Vater unser und Segen folgten. Anschließend Orgelnachspiel.
Technische Angaben
Erbauer: Eduard Hülle Halberstadt
Baujahr: 1887
System: Mechanische Schleiflade
Tonumfang: Manual C – f ´´´
Stechermechanik, einarmig ´
Klaviatur Pedal C - c´
Stumme Prospektpfeifen
Die
evangelische Kirche zu
Göddeckenrode
Die westlichste Kirche Sachsen-Anhalts
Mit Auszügen aus der Kirchen- und Dorfchronik
© Jörg - A. Altenburg
Dorfchronist
8. Ausgabe 10/2011
Alle Angaben ohne Gewähr

Orts- und Kirchenchronik Göddeckenrode von Jörg-Andreas Altenburg und Heinz Koppehel