Nachruf auf Pfarrer i.R. Johannes Martin Kiehne

17. Sep 2025

Zu Herzen gehende Wärme und ein sanftes Lächeln

In diesen Wochen werden viele Erinnerungen an Pfarrer i.R. Johannes Kiehne ausgetauscht, der nach Stationen in Schmersau und Bad Kösen seit 1976 bis zu seinem Ruhestand Anfang der 1990er Jahre als Pfarrer in Bad Suderode wirkte. Mit der Kirchengemeinde und durch seine Mitarbeit in den Vereinen prägte er den Ort. Er begleitete unzählige Menschen mit seiner zugewandten Art und seinem offenen Ohr. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie zur Kirchengemeinde gehörten oder nicht. Er wusste sich zu allen gesandt und war mit vielen in all den Jahrzehnten hier verbunden.

Drei Erinnerungen sind mir zurzeit besonders präsent:
Bis zum Sommer kam er jeden Sonntag zum Gottesdienst. Mit festem Händedruck und einem zugewandten Blick grüßte er und erzählte, wo er gerade „herkam“. Das waren meistens die verschiedensten Orte in Deutschland, denn er hatte bereits den Fernsehgottesdienst im ZDF mitgefeiert. In den letzten Monaten wurden die Kräfte weniger. Aber zum Segen nahm er nochmal alle Kraft zusammen und richtete sich gestützt von seinen Banknachbarinnen auf. Auf seinem Gesicht lag dann jedes Mal eine große Sehnsucht nach Segen und es war jedes Mal ein Moment von großer Intensität, ihm diesen zusprechen zu dürfen.

Ich erinnere mich außerdem an das Leuchten in den Augen, wenn er von seiner Familie erzählte. Er erzählte gerne von ihnen, besonders von seinen Urenkelinnen und Urenkeln. So gut es ging, nahm er an ihrem Leben Anteil und teilte seine Freude mit den Menschen, denen er begegnete. Wenn er von seiner Familie erzählte, lag in seiner Stimme eine Wärme, die zu Herzen ging. Sinnbildlich für diese Verbundenheit mit der Familie waren für mich auch seine letzten Wochen. Als die Kräfte zunehmend weniger wurden, organisierten seine Kinder es so, dass immer jemand bei ihm war. So starb er schließlich auch im Kreis seiner Familie am Morgen des 13. Septembers 2025 im Alter von 98 Jahren.

Bei unserer letzten Begegnung beeindruckte mich die Gewissheit, die er ausstrahlte. Johannes Martin Kiehne war sich sicher, dass er bald zu seinem Herrn Jesus Christus und seiner geliebten Mechthild gehen würde. Ein sanftes Lächeln lag dabei auf seinem Gesicht und er strahlte einen Frieden und Ruhe aus, die mich tief berührt hat. Was für eine Gnade, wenn man sich mit solch einer Zuversicht auf den letzten Weg begeben kann.

Von vielen Spuren, die Johannes Martin Kiehne im Leben von Menschen hinterlassen hat, ahnt man noch gar nichts. Einige werden in der nächsten Zeit mit Sicherheit zur Sprache kommen. Andere behält man für sich wie einen kostbaren Schatz. Durchs Erinnern bleibt er ein stückweit lebendig. Und eines Tages, diese Gewissheit teile ich mit ihm, werden wir uns dann in Gottes Ewigkeit wiedersehen.

Die Trauerfeier findet am Montag, den 22. September, 11 Uhr in der Neuen Kirche in Bad Suderode statt und im Anschluss die Bestattung auf dem Friedhof.


Saskia Lieske