Zwischen Vorfreude und Ungeduld

17. Apr 2026

Stellen Sie sich vor, sie hatten gerade Geburtstag. Der Tisch ist noch bedeckt mit Glückwunschkarten. Zwischen den lieben Worten verbergen sich kleine Überraschungen – vielleicht auch der ein oder andere Gutschein. Schnell wächst die Idee, sich selbst etwas Besonderes zu gönnen.

Ein neues Buch, ein neues Smartphone oder etwas anderes, lang ersehntes – nur wenige Klicks trennen uns vom Wunschobjekt. Die Bestellung ist abgeschickt. Und dann bleibt nur noch eine Frage: Wann kommt das Paket an?

Die Nachricht des Versanddienstleisters lässt die Spannung steigen: „Ihre Lieferung erfolgt heute.“ Was zunächst wie eine gute Nachricht klingt, entwickelt sich rasch zu einer Geduldsprobe. Der Tag wird um das Warten herum organisiert. Draußen lockt schönes Wetter, doch die Angst, die Zustellung zu verpassen, hält viele Menschen in den eigenen vier Wänden fest. Jedes Geräusch wird zum möglichen Signal: ein Auto, eine zuschlagende Tür. Immer wieder wandert der Blick zum Fenster. Doch selbst wenn ein Lieferwagen hält, gilt er oft einem Nachbarn. Die Minuten ziehen sich…

Der Höhepunkt dieser Anspannung zeigt sich in den kleinen Momenten: Selbst der Gang ins Badezimmer wird zur Risikoabwägung. Nicht selten endet der Tag mit der Nachricht im Briefkasten: „Leider haben wir Sie nicht angetroffen.“

Diese Situation ist vielen vertraut – und sie steht sinnbildlich für ein größeres Thema: unsere Ungeduld. Die Vorfreude ist geblieben, doch sie wird im Erwachsenenalter oft vom Wunsch nach sofortiger Erfüllung begleitet. Probleme sollen unmittelbar gelöst, Wünsche sofort erfüllt werden. Doch was passiert, wenn genau das nicht möglich ist?

Dann zeigt sich, wie schwer uns Geduld fällt. Wir werden unruhig und unzufrieden – mit der Situation und manchmal auch mit uns selbst. Dabei wissen viele Menschen gleichzeitig, wie wichtig Vertrauen ist: Vertrauen darauf, dass sich Dinge fügen, auch wenn sie nicht sofort sichtbar sind. Gerade hier zeigt sich die Spannung zwischen Vertrauen und Ungeduld. Während das Vertrauen oft vorhanden ist, bleibt die Geduld die größere Herausforderung.

Der Impuls aus Psalm 37,5 bringt es auf den Punkt: „Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen“ Eigentlich alles gesagt, oder?! Ich würde spontan sagen, im Vertrauen bin ich gut, in der Geduld eher weniger. Ich vertraue meinem Gott – in allen Dingen und jederzeit. Und doch erlebe ich, wie groß meine Ungeduld ist. Ich vertraue darauf, dass ER mich begleitet und beschützt. Aber oft frage ich mich: „Wann wird er es tun? Ginge es nicht schneller?“

In solchen Momenten erinnere ich mich daran, dass auch ER Vertrauen in mich hat – trotz meiner Fehlerhaftigkeit. Und so bleibt die Bitte:
„Oh Herr! Bitte lass mich vertrauen, dass du es zur rechten Zeit wohl machen wirst!“

Ronny Rösler