Wahlkampfgewusel …

31. Jul 2026

Jetzt ist es wieder losgegangen mit den vielen Plakatwänden und den mehr oder weniger attraktiven Fotos an Laternenmasten, von denen freundliche Menschen auf uns herablächeln, verziert mit einem markigen Spruch.

Immer wenn es wieder so weit ist, frage ich mich: Was soll das? Diese Verunzierung der Städte und Gemeinden, die Autofahrenden die Sicht nehmen und vom Straßenverkehr ablenken. 


Und dann liegen ja auch immer die Vandalen auf der Lauer, bereit Plakate zu entstellen und/oder zu zerstören und abzureißen, als ob sie damit etwas an den unterschiedlichen Meinungen ändern könnten. Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass niemand größer wird, wenn er andere klein macht.


Vor allem aber bezweifle ich, dass jemand seine Wahlentscheidung aufgrund eines sympathischen Gesichts fällt und sagt: Ach ja, die oder der sieht nett aus, wird von mir gewählt.
Und: Wollen Parteien solche Wählenden, die sich keinen Deut damit beschäftigen, was die jeweilige Partei im Programm zu stehen hat?


Nun ja: WahlKAMPF eben. Er ist laut, manchmal unfair, oft überhitzt. Da wird gestritten, angepriesen, verunstaltet.
Warum hängen die Parteien so etwas auf? Wo ist der Sinn? Man macht Werbung, um auf ein Produkt aufmerksam zu machen bzw. es vorzustellen. Die Parteien sind bekannt. Man wählt sie oder eben auch nicht. 


Wäre nicht sinnvoll in Zeiten des Klimaschutzes zu sagen: „Dieses Jahr stirbt für unsere Werbung kein Baum.“ Weniger Müll, weniger Ablenkung, weniger Streit um beschädigte Plakate. Vielleicht sogar weniger Unfälle. Und weniger Aktivisten, die beim Versuch, fremde Plakate abzureißen, von Laternen fallen.


Wir leben in einer kritischen Zeit, in der es komplizierte Probleme gibt ohne einfache Lösungen. Da ist es wichtig, einander zu ermutigen. Wir müssen aushalten, dass es unter uns unterschiedliche Ansichten und Einsichten gibt. Das darf einen fairen Umgang mit politisch Andersdenkenden nicht ausschließen. 


Jesus hat sich immer für die eingesetzt, die wenig Stimme hatten. Er hat sich unbeliebt gemacht, wenn es nötig war, um Würde zu schützen. Für jeden Gewählten, der bereit ist, diesen Weg zu gehen, bin ich dankbar.


Ich wünsche uns in diesen Wochen einen Geist der begleitet, der nicht spaltet, sondern prüft. Der nicht schreit, sondern zuhört. Der nicht nur Recht haben will, sondern das Gute sucht.


Es gibt die demokratischen Parteien in denen Menschlichkeit kein Fremdwort ist und in denen sich verantwortungsbewusste Politikerinnen und Politiker engagieren.


Ursula Meckel