24. Apr 2026
Wir sind noch im April – dem sprichwörtlich launischsten aller Monate: „Der April macht, was er will.“ „Der hat es gut!“ möchte ich ausrufen.
Immer kann er tun, wonach ihm gerade zumute ist. Wenn er Lust auf Nässe hat, lässt er es regnen. Wenn er Wärme und Sonne will, schiebt er die Wolken zur Seite. An manchen Tagen zeigt er sein ganzes Repertoire. Launisch eben - und unberechenbar.
Immer machen können, was ich will. Niemand sagt mir, was ich zu tun und zu lassen habe. Keine fesselnden Termine und Verpflichtungen. Für viele ist das der Inbegriff von Freiheit.
Auf der anderen Seite: Was käme dabei heraus, wenn ich immer machen könnte, was ich will? Vielleicht schöne Tage. Vielleicht aber auch eine Reihe launischer Apriltage. Weil meine Gefühle hin- und herhüpfen und mich von einer Idee zur nächsten treiben. Dabei habe ich noch gar nicht bedacht, wie es meinen Mitmenschen mit mir ginge. Ich habe Familie, Nachbarn, Freunde. Würde es nicht in Chaos und Streit enden, wenn jeder seinen Willen durchsetzte?
Und was ist, wenn mein Wollen durch äußere Umstände vereitelt wird? Ich habe alles geplant. Dann kommt etwas dazwischen. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten: ein verspäteter Zug, schlechtes Wetter, ein verlegter Schlüssel. Aber auch einschneidende Umbrüche gehören dazu: Krankheit, Verlust eines lieben Menschen.
Dann muss ich mich ganz neu orientieren. Eine Freundin sagt oft: „Für irgendetwas wird es gut sein.“ Ich bewundere, wie gelassen und vertrauensvoll sie mit solchen Einbrüchen umgeht. Manchmal gelingt mir das auch, doch manches Mal hebelt mich die Situation aus.
Im Rückblick hat es mich oft bereichert, wenn etwas nicht nach meinem Willen ging. Es haben sich andere Türen geöffnet. Ich entdeckte neue Möglichkeiten. Ohne solches Geschehen hätte ich wichtige Menschen nie kennengelernt und manche eigene Begabung nicht entdeckt.
Nein, ich möchte mit dem April nicht tauschen. Der kann zwar machen, was er will, bleibt aber in seiner engen Welt. So störend und schmerzhaft es auch sein mag: Ich möchte Unterbrechungen und Durchkreuzungen als Chance sehen. Weil ich durch sie Pfade betrete, die ich allein nicht gefunden hätte.
Vielleicht verbirgt sich ja hinter all dem eine liebevolle Führung von Gott, der es gut mit mir meint.
Annette Kühlmann
