04. Okt 2025
„Denkt daran! Jeder nimmt seins plus eins!“ Diesen Satz habe ich in der Evangelischen Jugendarbeit gelernt.
Es bedeutet, dass jeder nach dem Essen sein Geschirr mitnimmt und noch einen anderen Gegenstand, also z.B. einen Suppentopf oder das Geschirr einer Nachbarin, die früher losmusste. Auf diese Weise ist der Tisch schnell wieder im optimalen Zustand.
Nach meiner Jugend durfte ich mal ein Jahr im Ausland verbringen – ich war in Südafrika. Ein wunderschönes Land: Tolle Landschaften, schöne Sandstrände, beeindruckende Bergregionen. Und wenn man mit dem Auto in eine Stadt hineinfuhr, dann durchquerte man erstmal einen Gürtel von Blechbuden in denen die Armen wohnten. Ich musste dort auch mal zum Arzt. Das war kein Problem, hat aber 99 Rand gekostet. Einige meiner südafrikanischen Kollegen konnten sich das nicht leisten. Sogar echten Hunger kannten manche meiner Mitstudentinnen und -studenten aus eigener Erfahrung. Studieren zu dürfen war für sie ein Privileg.
Nun lebe ich schon lange wieder in Deutschland, aber ich blicke seitdem anders auf meine Heimat: selbst die Häuser der Armen haben ein dichtes Dach und eine funktionierende Heizung. Oft blicke ich in gepflegte Vorgärten mit ordentliche Autos davor. Ich habe schon mal vergessen den Haustürschlüssel abzuziehen, es ist nichts passiert. Wenn ich zum Arzt muss, mache ich einfach einen Termin – ja, manchmal muss ich warten, aber ich bekomme ihn doch. Die Schulen und Hochschulen sind kostenlos. Für die Ausbildung bekommen unsere jungen Leute sogar eine kleine Vergütung ausbezahlt.
Am Sonntag ist Erntedankfest. Das ist eine gute Gelegenheit sich vor Augen zu führen, was eigentlich alles gut ist bei uns. Und im Gottesdienst wird uns der Prophet Jesaja ein Mittel verraten, um all das Gute zu erhalten oder sogar zu verbessern. Zusammengefasst lautet es: Seins plus eins. Wenn jede und jeder sich nicht nur um seine eigenen Angelegenheiten kümmert, sondern sich wenigstens an einer Stelle für die Mitmenschen engagiert, dann bleibt unsere Heimat lebenswert oder wird sogar noch lebenswerter. In meiner Umgebung erlebe ich schon viele, die das so handhaben. Und auch dafür bin ich dankbar.
Steffen Weusten