Mensch bleiben

04. Jul 2026

Scheitern ist kein Fluch, sondern Weg. Gott setzt nicht auf Sieger. Er setzt auf die, die aufstehen und Mensch bleiben.

Nun ist unsere Fußball-Nationalmannschaft bereits aus dem WM-Turnier ausgeschieden. Der Satz von Kai Havertz: „Das ist jetzt meine zweite WM, das zweite Mal reingesch…“ zeigt seine Enttäuschung unverblümt.

Scheitern ist hart. Schon Kinder lernen das. Dann fliegt das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel vom Tisch, weil Oma’s Würfel viel zu oft die Sechs zeigt. Die Klassenarbeit bleibt ohne Unterschrift der Eltern zerknüllt im Schulranzen. Und wenn die Angebetete so gar kein Lächeln übrig hat, dann ist da erst einmal nur Elend, Ratlosigkeit, brutale Einsamkeit.

Doch genau hier beginnt Gottes Logik. Gott hat eine Vorliebe für Strauchelnde.

Jakob betrügt seinen Bruder, täuscht den Vater und muss fliehen, wird aber zum Stammvater Israels. David sündigt schwer, verliert deshalb sein Kind, und bleibt doch König. Paulus, kein begnadeter Redner, von Krankheit gezeichnet, prägt mit seinen Briefen das Christentum. Und Jesus? Am Kreuz scheinbar gescheitert – doch gerade dort vollendet er Gottes Plan.

Die Welt verlangt Demut, ein Sich-in-die-Asche-werfen. Doch Gott sieht den Menschen hinter seinem Tun, nicht die Niederlage. Er sucht die, die ehrlich scheitern und aus Fehlern lernen.

Wie vielleicht Bundestrainer Julian Nagelsmann? In seinen ersten Interviews nach dem Ausscheiden zeigte er eher Trotz als Reue. Nicht perfekt. Aber darin wie Sie und ich. Nun wird Gott ihm eine neue Aufgabe vorlegen.

Scheitern ist kein Fluch, sondern Weg. Gott setzt nicht auf Sieger. Er setzt auf die, die aufstehen und Mensch bleiben.

Jürgen Schilling