28. Aug 2026
Wir müssen reden. Über die Landtagswahl. Und über die Zeit danach.
Es ist Samstagabend. Meine Frau und ich sind auf dem Heimweg vom Kino. Wir unterhalten uns angeregt über den gerade gesehenen Film. Dabei fällt zwischen uns das Wort „Zeitalter“. In dem Moment kommen wir an einer Gruppe junger Männer vorbei. Offenbar haben sie einen kurzen Moment unseres Gespräches mitgehört. Da ruft uns einer hinterher: „Das neue Zeitalter kommt, ihr werdet euch noch wundern!“
Die Situation geht mir lange nach. Was meinte der Mann? Warum diese verbale Aggression?
In einschlägigen Social-Media-Kanälen werden solche wie ich als „Gutmenschen“ diffamiert und zum Feind ausgerufen. Offizielle Pläne für nach der Landtagswahl sehen vor, dass Bürgerwehren eingesetzt werden. Mir macht das Angst.
Ich denke an unseren Nachbarsjungen Noah. Er sitzt im Rollstuhl und ist ein kleines bisschen langsamer im Denken. Er soll wieder extra beschult werden? Ich denke an eine Kita bei uns im Kirchenkreis. Dort wird schon jetzt die sehr gute Arbeit der Erzieherinnen von zwei Eltern torpediert, weil das offene Konzept nicht passt. Ich denke an die so wichtige Arbeit der Schwangerenkonfliktberatung. Werden wir die staatliche Finanzierung dafür weiterhin erhalten, wo doch die „Reproduktionsaktivität“ erhöht und Frauen als Hausfrauen wieder „mehr geschätzt“ werden sollen? Ich mache mir große Sorgen.
Aber vielleicht kommt es gar nicht so weit. Ich setze darauf, dass eine ausreichende Mehrheit ihr Kreuz an den menschenfreundlicheren Stellen auf dem Wahlzettel macht.
Und wenn die Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl dann doch anders sind? Als gelernter DDR-Bürger weiß ich, dass man auch unter schwierigen Bedingungen Mensch bleiben kann. Wir Christinnen und Christen sind zu jeder Zeit gerufen, die Liebe groß zu machen. „Alle eure Dinge lasst in der Liebe geschehen!“ ruft uns der Apostel Paulus zu.
Zunächst aber rufe ich Ihnen zu: In Gottes Namen, gehen Sie wählen, und wählen Sie demokratisch!
Jürgen Schilling
