14. Nov 2025
Zu welchem Typ gehören Sie? Sind Sie eher ein „Frühaufsteher“, der mit Leichtigkeit seinen Fuß aus dem Bett bekommt oder gehören Sie zu denen, die durchaus einmal mehr geweckt werden müssen? Ich gebe zu, ich brauche am Morgen meine „Anlaufzeit“.
Auch wenn ich fast immer recht früh aufstehe, hilft mir die Schlummerfunktion in meinem Handy, um nicht gleich beim ersten Mal aufstehen zu müssen, sondern mir ein wenig Zeit zu lassen. In meiner Schulzeit war dieser „Wecker“ meist meine Schwester, die immer wieder rief: „Bist Du wach? Steh auf!“
Einen „Weckdienst“ – persönlich oder technischer Art – den brauchen wir immer wieder einmal. Am Morgen, um in Gang zu kommen oder rechtzeitig einen Termin zu erreichen, vielleicht auch, um bei einer langen Bahnfahrt nicht das Aussteigen zu verpassen...
„Aufstehen und in Gang kommen“ – daran werden wir auch in diesen Novembertagen erinnert. Der heutige Tag liegt mitten in der ökumenischen Friedensdekade, die vom „Schicksalstag der Deutschen“ bis zum Buß- und Bettag dauert, 9. bis 19. November. Das Motto stimmt mich nachdenklich: „Frieden wecken“.
Brauchen wir es tatsächlich, „wachgerüttelt“ zu werden? „Schlummern“ wir vielleicht in der Selbst¬verständlichkeit, seit 80 Jahren Frieden in Deutschland zu haben? – wobei doch der Friede so gefährdet ist. Aus „welchem Schlaf“ müssen wir geholt werden, damit Friede erlebbar wird? Wo gilt es für uns, für den Frieden aufzustehen und in Gang zu kommen.
Das Team der Friedensdekade lädt ein „Komm den Frieden wecken.“ Diese Bewegung aus den 80er Jahren engagiert sich für Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung. Frieden soll regelrecht hörbar, sichtbar, spürbar gemacht werden. Das kann weltweit in großem Rahmen geschehen, aber auch die kleinen Schritte im Alltag sind gefragt! Wie und wo wecke ich in meinem Leben, in meinem Alltag Frieden? Wann ist meine Stimme gefragt, gegen Unrecht aufzustehen? Wo sollte ich „in Gang kommen“, um mit der Schöpfung verantwortlich umzugehen? Wem sollte ich meine Hand reichen, damit die Fronten sich nicht verhärten? Und vielleicht ist es dran, in diesen Tagen zuzuhören, wie Menschen aus früheren Zeiten Krieg und Frieden erlebt haben und wie sie versöhnt weiterleben konnten.
„Komm den Frieden wecken“ – dieser Aufruf findet sich in eine der bekanntesten Reden Jesu in der Bibel (Matthäus 5) wieder. Jesus Christus weist darauf hin: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie sollen Gottes Kinder heißen.“ Frieden zu stiften, Frieden zu wecken – das ist „Programm“, ist Aufgabe. Von Natur ist uns das nicht in die Wiege gelegt. Aber Jesus selbst, der auch den Namen „Friedefürst“ trägt (Jesaja 5,9), hat es vorgelebt. An IHM können wir uns orientieren. Sein Handeln ist Richtschnur, damit friedvolles Leben erlebbar wird. Mit IHM als Kraftquelle können wir „in Gang kommen“ und zum Friedensstifter werden. Und wir dürfen um den Frieden Gottes bitten – im Gebet – für diese Welt und auch für mich, ganz persönlich. In diesem Sinn eine friedliche Zeit.
Schwester Andrea Kammer
