Gefeiert. Bejubelt. Fallen gelassen.

27. Mär 2026

Palmarum heißt der Sonntag vor Ostern und erinnert an eine überraschend aktuelle Geschichte. Damals, vor gut 2000 Jahren, zog Jesus in Jerusalem ein. Die Menschen waren voller Begeisterung, jubelten ihm zu und feierten ihn wie einen Star.

Die Straßen füllten sich, Hochrufe wurden laut, er war der Mittelpunkt, ein Hoffnungsträger. Menschen streuten Palmzweige auf seinen Weg.


Das Blatt wendete sich schnell: Nach dem Jubel und der Freude kam die Ernüchterung. Aus Applaus wurde Ablehnung, aus Bewunderung Verrat, aus den Hochrufen Schmährufe. Ein drastisches Beispiel dafür, wie schnell sich die öffentliche Meinung ändern kann.


Wer heute in die Nachrichten schaut oder sich in den sozialen Netzwerken bewegt, erkennt dieses Muster: Menschen werden gefeiert, werden zum Vorbild, zur Held/in des Tages. Doch sobald Unerwartetes passiert, eine Niederlage einkassiert wird, eine unpopuläre Entscheidung getroffen oder ein Missverständnis entsteht, dreht sich die Stimmung schnell. Jubel verwandelt sich in Ablehnung, zuweilen in Verachtung oder Hass. Fans werden zu Gegner/innen. 


Dieses Phänomen betrifft nicht nur Prominente, Sportler/innen oder Politiker/innen. Auch im Berufsleben, in der Schule oder im Freundeskreis kennen Menschen diese Achterbahn der Gefühle: Gestern anerkannt, heute ins Abseits gestellt. 


Es gibt viele solcher Momente, in denen zunächst alle begeistert sind und sich dann, wenn es schwierig wird, distanzieren. Öffentliche Anerkennung ist selten von Dauer und echte Unterstützung zeigt sich erst, wenn die Begeisterung verflogen ist.


Vielleicht ist Palmsonntag deshalb wertvoll für unsere Zeit. Er lädt dazu ein, nicht nur auf den Applaus zu schauen, sondern auf das, was bleibt, wenn die Menge weiterzieht: Vertrauen, ehrliche Beziehungen und gegenseitige Unterstützung. Er erinnert daran, dass die Stimmung manchmal schneller kippt als gedacht und es wichtig ist, dann zu denen zu stehen, die Beistand brauchen.


Ob im Kreis der Kolleg/innen, unter Freund/innen, im Internet oder sonst im Alltag: Der Wechsel von Anerkennung zu Ablehnung ist überall zu finden.


Palmsonntag lädt dazu ein, sich zu fragen, wie mit solchen Situationen umzugehen ist. Wo kann ich anderen Rückhalt geben, wenn die große Begeisterung vorüber ist?


Ein Tag, der zum Nachdenken anregt und dazu motivieren kann, nicht nur mitzulaufen und mitzujubeln, wenn es alle tun, sondern dann zu unterstützen, wenn es niemand sonst tut.


Ursula Meckel