Eine besondere Zeit

20. Feb 2026

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei" heißt es. Aber was ist eigentlich vorbei? Und hat etwas Neues angefangen? Wenn ja: Ist dieses Neue etwas Gutes?

Die erste Frage ist schnell beantwortet: Am Tag vor Aschermittwoch endete die diesjährige Karnevalssaison. Und mit ihr das ausgelassene Treiben in bunten Kostümen und Umzügen - bis es im November wieder beginnt.


Ist damit auch die Fröhlichkeit vorbei? Die Freude? Das Lachen? Man könnte es meinen, denn die Zeit von Aschermittwoch bis Ostern heißt auch "Passionszeit". Wörtlich übersetzt: Leidenszeit. Das klingt schwer, bedrückend. Doch geht es in dieser Zeit nicht um ein Fröhlichkeitsverbot, wohl aber um eine Einladung zum Innehalten.
Denn das Wort „Passion“ bezieht sich auf das Leiden und Sterben Jesu. Seit dem 4. Jahrhundert gelten die 40 Tage vor Ostern (ohne die Sonntage) als Gedenken an Jesu Weg zum Kreuzestod. Damals waren sie noch als strenge Fasten- und Bußzeit vorgegeben.


Das handhaben heute nur wenige so streng. Aber viele nutzen die Chance, dieser Zeit ein anderes Gepräge zu geben: für Besinnung, für zeitweisen Verzicht, für eine neue Suche nach Gott. Einige Christen betrachten in dieser Zeit das Leiden Jesu näher und bringen es mit ihrem Leben in Verbindung. Suchen darin Trost und Ausrichtung.


Ich möchte mir Zeit für innere Fragen nehmen. Zum Beispiel diese: Wonach sehne ich mich? Was ist nicht gut in meinem Leben? Wo mache ich mir etwas vor? Vielleicht tauchen ganz andere Fragen auf: Fragen, die mir nicht bewusst sind. Weil sie nun Raum haben. Weil ich nicht mehr weglaufe und verdränge. Vielleicht bekomme ich auch eine neue Sicht auf Schweres in meinem Leben - und entdecke Gutes.


Ich weiß nicht, ob mir das gelingt, aber ich möchte es versuchen. Ich glaube, dass mir dabei das Betrachten der biblischen Texte über Jesu Leidensweg helfen kann. Weil sie wesentliche Themen meines Lebens berühren: Angst, Enttäuschung, Schmerz und Leid. Auch Jesus hat das alles durchlitten, bis zum Tod. Doch er wich nicht aus.
Am Ende des Weges steht Ostern: Auferstehung. Neues Leben. Hoffnung.
Dieser Hoffnung möchte ich mich öffnen, um sie bitten und mir neu schenken lassen.


Vielleicht wächst auf diesem Weg eine Freude, die tiefer geht. Eine Fröhlichkeit, die einen Menschen erfüllt, der die Schwere des Lebens kennt und sich dennoch getragen weiß.


Annette Kühlmann

Annette Kühlmann

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Annette Kühlmann
Ordinierte Prädikantin in Wernigerode