02. Jan 2026
Ich habe einen Chatbot gefragt, was er als geistliches Wort zum neuen Jahr vorschlägt. Er hat geantwortet: „Möge das neue Jahr ein Jahr des Glaubens werden.“
Eine beachtliche Auskunft für einen Roboter, der alles Mögliche tut, eben nur nicht das: glauben. Aber er hat den Rat ja nicht von sich selbst, sondern er spricht nach, was andere ihm vorgesagt haben. Er hat mir auf meinen Wunsch hin das ausgesucht, was am besten zu meinem Anliegen passt.
Ich finde ihn ganz nett: Seine Worte sind nicht provozierend, nicht pointiert, nicht aufregend, nicht einmal originell. Aber auch nicht nur das, was man sonst so zum Jahreswechsel halt spricht oder schreibt. Ein neues Jahr also als Jahr des Glaubens.
Das ist selbst für mich als Profi des Geistlichen eine spannende Aufgabe. Denn: Wo fange ich mit dem Glauben an? Bei dem, wo ich mir sicher und gewiss bin? Oder bei dem, was ich seufzend in Gottes Hand lege? Nur eins ist gewiss: Anfangen muss ich irgendwie, denn ein neues Jahr hat begonnen. Und da ist es gut, wenn ich das ernst nehme und selber auch neu anfange, auch mit meinem zeiterprobten Glauben. Anfangen also, ganz egal wie, mit Leichtem oder Beschwerlichen, mit Dankbarkeit oder mit Traurigkeit, mit Mut oder mit Verzagtsein. Nur anfangen.
Das heißt: Nicht das neue Jahr mit mir machen lassen, was es will, sondern selbst einen Anfang machen. Ich beginne mein Jahr. Das ist ein guter Schlüssel für eine Zeit, von der ich noch keinen einzigen Moment erlebt habe. Der Chatbot kennt nur Sachen, die er schon „erlebt“ hat. Ich aber beginne, was noch nie war. „Möge es ein Jahr es Glaubens werden.“ Es klingt nach einer großen Entdeckung, die im neuen Jahr auf mich wartet. Auf Sie vielleicht auch. Ach was: vielleicht – sicher! Auf uns warten die Entdeckungen eines Jahres des Glaubens. Bald werden wir die ersten Konturen erkennen, später werden wir gewiss sagen können: Es ist ein Jahr des Glaubens, das da für mich begonnen hat.
Der Roboter hat noch etwas angehängt: Dieser Glaube, um den es geht, der „wird sich in der Liebe zeigen“. Sonst hätten wir auch nicht darüber reden müssen.
Pfarrer i.R. Christoph Carstens, Seefeld (Mark)
