Die Jugend von heute…

06. Feb 2026

Diesen Satz höre ich öfter. Bei dem, was dann folgt, kommen Jugendliche und junge Erwachsene meistens nicht gut weg. Handykonsum, Umgangston, Schulleistungen und fragwürdige Trends in den sozialen Medien sind nur einige Stichworte, die fallen.

Schon der griechisches Philosoph Sokrates stellte fest: „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Dieses Urteil ist bald 2500 Jahre alt und hält sich doch hartnäckig.

Neulich habe ich im Rahmen einer Konfirmandenfreizeit ein langes Wochenende auf Schloss Mansfeld mit der Jugend von heute verbracht. Was soll ich sagen?! Es war so ganz anders als das übliche Bild von ihr: Junge Erwachsenen haben Leitungsverantwortung wahrgenommen und einen Raum eröffnet, in dem Jugendliche ihre Talente und Potentiale einbringen konnten. Alle, die beteiligt waren, haben viel von ihrer Zeit investiert. Eine Band hat das gesamte Wochenende über für Musik gesorgt und einigen Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, erste eigene Bühnenerfahrung zu sammeln. Andere haben Gesprächsgruppen geleitet, dabei manche Konfirmanden zum Reden gebracht und bei einigen das Chaos in geordnete Bahnen gelenkt. Manche haben sich verletzlich gezeigt und vor 60 anderen Jugendlichen von tiefen Tälern aus ihrem Leben berichtet. Andere haben ein offenes Ohr und ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt, sodass Jugendliche von ihren Sorgen und Fragen ans Leben erzählen konnten. Alle gemeinsam haben als Team so zusammengearbeitet, dass auch jene, die eher am Rand stehen, einen Platz gefunden haben und zeigen konnten, was in ihnen steckt.

Manchmal bin auch ich schnell in meinen Urteilen über die Jugend von heute. Wie gut, dass ich dann einen biblischen Ratschlag im Ohr habe. Ein Mann namens Jakobus schreibt dort in einem Brief: „Jeder Mensch soll schnell bereit sein, zuzuhören. Aber er soll sich Zeit lassen, bevor er selbst etwas sagt oder gar in Zorn gerät.“ Diese Haltung hilft überall dort, wo Menschen in ihren Urteilen schnell sind. Und was die Jugend von heute angeht, so ermöglicht sie einen Perspektivwechsel: Weg von einer Wahrnehmung, die einem Holzschnitt gleicht, hin zu einem Blick, der die Vielseitigkeit von Jugendlichen wahrnimmt und zeigt, was man von ihnen lernen kann.

Saskia Lieske