13. Mär 2026
Manche Worte öffnen ein Fenster im Alltag. Eines davon stammt von Hildegard von Bingen: die Grünkraft. Ein bemerkenswertes Wort: eine Kraft, die grünen lässt.
Hildegard war eine Frau des Mittelalters. Im 12. Jahrhundert wirkte sie als Äbtissin, Theologin, als Naturkundlerin und Komponistin. Sie war eine geistliche Autorität – in einer Zeit, in der Frauen meist im Hintergrund standen. Gerade deshalb beeindruckt ihr Leben bis heute. Aus ihrem tiefen Glauben an Gott heraus entfaltete sie eine eigene innere Kraft – eine „Grünkraft“, die viel bewirkt hat: Sie schrieb Bücher, gründete Klöster und fand Worte, die Menschen bis heute ermutigen.
Mit der Grünkraft – auf Latein viriditas – meinte sie mehr als das Grün der Pflanzen. Für Hildegard war es Gottes schöpferische Kraft selbst. Gott ist für sie der Ursprung allen Lebens, der die Welt immer neu belebt. Seine Kraft lässt Samen keimen, Bäume wachsen und auch menschliche Herzen aufblühen.
Gerade jetzt im Frühling kann man diese göttliche Lebenskraft spüren. Nach den kargen Winterwochen zeigt sich überall neues Grün. Erst kleine Spitzen, dann Blätter und Knospen. In all dem sah Hildegard ein Zeichen dafür, dass Gott seine Schöpfung nicht sich selbst überlässt, sondern sie immer wieder neu belebt.
Hildegard verstand diese Grünkraft auch als Bild für unser eigenes Leben. Gottes Geist wirkt nicht nur in der Natur, sondern auch in uns. Selbst wenn Sorgen, Müdigkeit oder Zweifel unser Herz schwer machen – Gottes Kraft kann Neues wachsen lassen.
Vor einer Woche wurde der Internationaler Frauentag gefeiert. Frauen wie Hildegard von Bingen waren ihrer Zeit weit voraus. Mit der Grünkraft ihres Glauben gingen sie mutig ihren Weg und wurden zu Vorbildern für viele Frauen nach ihnen.
Vielleicht ist das eine gute Einladung: draußen das Grün zu suchen als einen leisen Hinweis auf Gottes lebendige Kraft in der Natur. Können Sie die Grünkraft auch in Ihrem Leben entdecken? Ich wünsche es Ihnen.
Frank Freudenberg
