Der Unterschied

02. Okt 2026

Haben wir Menschen eigentlich eine innere Uhr und eine Wetterstation?

Hannah Becker, Pfarrerin i.R., Kirchenwort am 03.10.2026

 

Sie haben eine innere Uhr und eine innere Wetterstation: Die Zugvögel. Die Schwalben, die sich längst aufgemacht haben. Die Kraniche, die sich derzeit sammeln. Durch das Fernglas kann ich sie aus der Ferne gut sehen. Staunend betrachte ich die Tiere. Stehe zwischen vielen Menschen, die zum Beobachten gekommen sind. Manche hatten einen sehr weiten Weg. Doch dieser Anblick ist es wert. Leises Gemurmel dreht sich um die Fragen des Vogelzuges: Wie kommt dies? Und wie wird der Weg sein?

Haben wir Menschen eigentlich eine innere Uhr und eine Wetterstation? Oder Landkarte?

Jeremia sagt: Die haben wir. Die sollten wir nutzen. Das geht, das ist einfach. Wir können uns dafür entscheiden.  Doch wir tun es nicht. Sucht doch mal einen Menschen in den Gassen der Stadt, der Recht übt und auf Wahrheit hält.  - Scharf gesagt von Jeremia. Und scharf setzt er fort: Sie laufen alle ihren Lauf, wie ein Hengst, der in der Schlacht dahin stürmt (Bibel, Buch Jeremia, Kapitel 8).

Ist der Mensch Zugvogel oder Schlacht-Ross? Kennt er den Weg zum Leben? Trainiert er Haltung und Flugfähigkeit? Oder rennt er nach vorn, stark, angereizt und getrieben? Dann wäre er im Joch, verlöre seine Freiheit. Scharf ist der Unterschied, den Jeremia macht. Scharfe Worte, die zum individuellen Nachdenken herausfordern.  Dann also liegt es jeweils an uns selbst – samt innerem Schweinehund.

 Für den Monat Oktober hat die Kirche folgendes Leitwort gewählt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit, ...lasst euch nicht wieder in das Joch der Sklaverei einspannen (Bibel, Brief an die Galater, Kapitel 5). Auch hier begegnet mir die Erfahrung, eingespannt und geleitet zu werden. Wohin und wozu ist nicht gleich zu sehen; vielleicht ist das Joch ist zunächst willkommen. Auch hier trägt die Hoffnung, doch zu erkennen, was vor Gott und den Menschen gut ist. Und dies zuzulassen und zu verstärken.

 Das Oktober-Leitwort bedenke ich am Tag der Einheit; ich beziehe es auch auf den politischen Weg in Deutschland und in Europa. Ich suche dabei meinen Weg, arbeite mit meiner inneren Landkarte. Ich singe und bete, spreche mit anderen. Freue mich am gemeinsamen Weg mit allem Wenn und Aber. Weine mit verwundeten Menschen. Ärgere mich über Kriegsgeschrei und Macht-Gebärden.

 Und Jeremia, wie lebte er eigentlich?

Lange Jahre lebte Jeremia in Jerusalem. Ihn interessierten Mensch und Land. Er war Prophet, er sprach im Namen Gottes. Streitbar war er immer. Wohl gelitten nicht. Einmal ließ sich der König Jeremias Schriften vorlesen, zerriss sie dann Stück um Stück und verbrannte sie. Die Schriften wurden erneut geschrieben. Sie überdauerten Staat und König. Das war vor etwa  2600 Jahren.

 Goldene Herbsttage, gute Gedanken und Gottes Segen

 Gesegnete Zeit