Mit weitem Herzen

13. Jan 2021

Zur Jahreslosung 2021: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

Wir Christen haben die Tradition, einen Satz der Bibel über jedes neue Jahr zu stellen. Gottes Worte als Zuspruch, Richtschnur, Gedankenstütze für 365 Tage. 2021 sind das Worte Jesu, er sagt: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

Barmherzigkeit ist ein altes Wort. Wir nutzen es selten. Wenn, dann sprechen wir davon, dass jemand Mitleid hat und Mitgefühl zeigt. Oder wir sagen: „Sie hat aber ein weites Herz!“, und meinen damit, dass hier jemand mehr gibt als normal üblich.

Die Bibel kennt als Beispiel für solches Handeln die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Er kümmert sich um einen Mann, der zusammengeschlagen und ausgeraubt wurde. Der Samariter verbindet die Wunden, bringt den Geschundenen in ein Gasthaus und gibt dem Wirt Geld für Unterkunft und Essen, sogar für die Pflege des Kranken. Bei all dem erwartet er kein Danke oder gar die Erstattung seines Aufwands. Es ist viel einfacher: Er sieht die Not und geht an ihr nicht vorbei, wie das andere tun. Er zeigt Herz und wird so zum Vorbild für uns alle.

Das Jahr 2021 als ein Jahr, in dem wir Herz zeigen? Wie geht das konkret?

Barmherzig ist, wer der Bettlerin einen Euro in die Pappschachtel legt, selbst wenn man nicht genau weiß, ob sie wirklich Not leidet. Barmherzig ist der Lehrer, der seinen Schülern Sternchen vergibt, die sie einlösen können, sobald ihnen bei der Kontrolle ein Punkt zur besseren Note fehlt. Barmherzig ist die Chefin, die der Mitarbeiterin zum x-ten Mal zeigt, wie das Programm am PC funktioniert. Barmherzig ist, wer dem anderen das Gute zutraut statt auf seinen Defiziten herumzuhacken. Barmherzig bin ich, wenn ich über das normale Maß hinaus gebe, gewähre, verzeihe, ermögliche, schenke.

Nach christlicher Tradition gehört das nicht zu den natürlichen Eigenschaften von uns Menschen. Aber wir können das Barmherzig-Sein lernen. Zum Beispiel an Vater und Mutter, unseren leiblichen Eltern. Sofern sie Menschen mit einem weiten Herzen sind. Oder aber wir lernen vom Vater des Lebens, von Gott. Denn die Barmherzigkeit ist eine seiner schönsten Eigenschaften.

In der Jahreslosung 2021 fordert Jesus auf, die Bettlerin, den Schüler, die Kollegin, mich selbst und insbesondere all jene, die in Not sind, mit Gottes Augen zu sehen. Dann nämlich tue ich das Notwendige und die Welt wird besser – zumindest an einem Ort für einen Menschen. So schwer ist das gar nicht, probieren Sie es aus! Im neuen Jahr gibt es dazu mit Sicherheit zahlreiche Gelegenheiten.



Jürgen Schilling, Superintendent des Kirchenkreises Halberstadt

Jürgen Schilling

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