Grablege im Halberstädter Dom geöffnet

31.01.2018

Domschätze Halberstadt und Quedlinburg

Der Bischof von Halberstadt, sein Sarkophag und ein erbitterter Streit
Am 3. Februar 2018 jährt sich der Todestag des bedeutenden Halberstädter Bischofs Bernhard zum 1050. Mal. Bis zum 11. Februar 2018 ist der steinerne Sarkophag des Bischofs im Hohen Chor des Halberstädter Domes frei zu besichtigen, sonst ist die Grablege von einer Holzplatte bedeckt. Der über zwei Meter lange Sarkophag ist neben dem der Königin Mathilde in der Stiftskirche Quedlinburg der einzige erhaltene aus ottonischer Zeit. Seine Positionierung im Dom, seine Monumentalität und Klarheit der Inschrift zeugen von der außerordentlichen Bedeutung des Bischofs.
Nach der Angabe Thietmars von Merseburg soll Bernhard ebenso an einem 3. Februar, wohl 923, von König Heinrich I. als Bischof eingesetzt worden sein. Bernhard, der einem hochadligen sächsischen Geschlecht entstammte, reiste persönlich nach Rom und erwarb Reliquien des Heiligen Sixtus für den Halberstädter Dom, er initiierte umfassende Baumaßnahmen nach Einsturz der Kathedrale 965 und er stellte all sein Tun unter den Widerstand gegen die Ambitionen Ottos des I., Magdeburg zum Erzbistum zu erheben. Der Bischof widersetzte sich den kaiserlichen Plänen mit allen Mitteln. Die Auseinandersetzung eskalierte zum Osterfest 966 in Quedlinburg: Otto setzte Bernhard aufgrund seines fortgesetzten Protestes gefangen, dieser exkommunizierte daraufhin den Herrscher, woraufhin der als Büßer barfuß in Halberstadt erschien. Bernhard befreite den Kaiser vom Kirchenbann und Otto versprach, seine Magdeburg-Pläne zu Bernhards Lebzeiten nicht mehr weiter zu verfolgen. Nach dem Tode des Bischof im Jahr 968 wurde die Gründung des Erzbistums Magdeburg dann formal und ohne weitere Verzögerung vollzogen.
Als Bischof Bernhard am 3. Februar 968 nach 45-jähriger Amtszeit stirbt, wird er der Überlieferung nach in der Mitte des Chores (in medio chori) im noch im Bau befindlichen ottonischen Dom beigesetzt. Auch im gotischen Neubau wird sein Sarkophag an zentraler Stelle im Hohen Chor vor dem Hauptaltar positioniert und damit die große kirchenpolitische Bedeutung Bernhards betont und seine Funktion als Kirchenstifter des ottonischen Baues gewürdigt. Sein über zwei Meter langer Sarkophag aus Kalkstein trägt die mit einem schlichten Kreuz hinterlegte, lateinische Inschrift: „Am 3. Februar verstarb Bischof Bernhard, der hier ruht.“ Nur wenige Wochen nach Bernhard stirbt am 13. März 968 auch Königin Mathilde, die Witwe König Heinrichs I. und Mutter Kaiser Ottos I. Sie wird neben ihrem Ehemann in der von ihr gegründeten Quedlinburger Stiftskirche beigesetzt. Ihr Sarkophag ist dem des Bernhard sehr ähnlich. Die große Ähnlichkeit beider Sarkophage weist auf die hohe soziale Stellung beider Verstorbener und lässt annehmen, dass die beiden Stücke in der gleichen – vielleicht königlichen – Werkstatt gefertigt wurden. Sie sind nicht nur die letzten Ruhestätten zweier bedeutender Persönlichkeiten des 10. Jahrhunderts, sondern zugleich die einzigen überlieferten Sarkophage aus ottonischer Zeit.
Zum Tod Bernhards und Mathildes schreibt Widukind von Corvey in seiner Sachsengeschichte: „Wir haben nämlich von einem Einsiedler gehört, er habe, ich weiß nicht, ob im Geist oder in einer tatsächlichen Erscheinung, die Seelen der Königin und des Bischofs gesehen, wie sie von einer unendlichen Menge von Engeln unter unsäglichem Rühmen in den Himmel getragen wurden.“ (Res gestae Saxonicae III, 74)

Kontakt:

Domschätze Halberstadt und Quedlinburg
Claudia Wyludda M.A.
Domplatz 16a
38820 Halberstadt
Tel. 03941 – 24 23 7
halberstadt@die-domschaetze.de
www.die-domschaetze.de




HBS DS Grablegezoom

Bildautor ist Elmar Egner.

Das Bild zeigt die letzte Öffnung der Grablege im Jahr 2012.


Evangelischer Kirchenkreis Halberstadt
Domplatz 50
D-38820 Halberstadt
Telefon +49 (3941) 57 17 38